Tsvangirai mit Stichwahl gegen Mugabe einverstanden: Urnengang noch im Mai
- Tsvangirai: "Das Volk ist bereit für einen Wechsel!"
- Regierung wünscht Urnengang 'so schnell wie möglich'
·Simbabwe derzeit
"hoffnungsloser Fall"
Land in Afrika "mit gebrochener Gesellschaft"
·Opposition fürchtet massiven Wahlbetrug
Manipulationen der Wählerlisten befürchtet
·Diktator Mugabe: Held & brutaler Despot
Afrika äußert kaum Kritik an Simbabwes Staatschef
Trotz befürchteter Manipulation durch die Führung in Simbabwe hat sich Oppositionsführer Morgan Tsvangirai zu einer Stichwahl um die Präsidentschaft gegen Amtsinhaber Robert Mugabe bereiterklärt. "Das Volk ist bereit für einen Wechsel. Wir müssen seinen Traum wahr werden lassen", sagte der Kandidat der Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC) im südafrikanischen Pretoria. Als Bedingungen für seine Teilnahme forderte er allerdings ein Ende der Gewalt und die Entsendung von Friedenstruppen der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) nach Simbabwe. Ein Datum für die Stichwahl stand noch nicht fest.
"Die Stichwahl kann Diktator Mugabe endlich und für immer k.o. schlagen", sagte Tsvangirai. Zugleich stellte er fünf Bedingungen für den zweiten Wahlgang: Neben SADC-Friedenstruppen und einem Ende der Gewalt forderte er auch "einen freien Zugang für internationale Beobachter". Ebenso müsse die nationale Wahlkommission umgebildet werden. Derzeit sei sie parteiisch und favorisiere die regierende ZANU-PF von Mugabe. Auch Medien müssten frei über die Wahlen berichten dürfen, verlangte Tsvangirai in einem fünften Punkt. Während des ersten Wahlgangs Ende März waren Journalisten bei ihrer Arbeit stark behindert worden. Auch ausländische Medienvertreter wurden zeitweise festgenommen.
Nach simbabwischem Gesetz muss die Stichwahl 21 Tage nach Veröffentlichung der Wahlergebnisse des ersten Wahlgang stattfinden. Ein zweiter Wahlgang müsse deshalb vor dem 24. Mai stattfinden, sagte Tsvangirai. Die Regierung von Mugabe äußerte ebenfalls den Wunsch, dass die Stichwahl "so schnell wie möglich" stattfinde. "Wir sind bereit für die Stichwahl", sagte Justizminister Patrick Chinamasa in Harare der Nachrichtenagentur AFP.
Tsvangirai kommt zurück
Tsvangirai, der sich seit Wochen im Ausland aufhält, kündigte für den Wahlkampf seine Rückkehr "binnen zwei Tagen" an. Er war aus Angst vor einer Festnahme kurz nach der Wahl geflohen. Für seine Abwesenheit war er zuletzt auch aus den eigenen Reihen kritisiert worden.
Den ersten Wahlgang am 29. März hatte Tsvangirai nach Angaben der Wahlkommission mit 47,9 Prozent gegen Mugabe (43,2 Prozent) gewonnen. Lange hatte er sich jedoch nicht zu seiner Teilnahme an einer Stichwahl geäußert. Die MDC beanspruchte eine absolute Mehrheit mit 50,3 Prozent der Stimmen und damit einen direkten Sieg im ersten Durchgang für sich. Mugabe habe 43,2 Prozent erhalten. Einen zweiten Wahlgang hielt sie deshalb für illegal. Auch bei der zeitgleich abgehaltenen Parlamentswahl erreichte seine MDC einen historischen Sieg gegen die ZANU-PF.
Vor einer Stichwahl fürchtet die Opposition eine weitere Zunahme der Gewalt gegen ihre Anhänger und eine Einschüchterung ihrer Wähler. Nach Angaben der MDC kamen seit der umstrittenen Wahl am 29. März bereits 30 ihrer Anhänger ums Leben. Tausende mussten fliehen. Simbabwes Ärztevereinigung für Menschenrechte berichtete am Freitag, sie habe Informationen über mehr als 900 Fälle organisierter Gewalt und Folter erhalten. Auch eine Beobachtermission der SADC wies darauf hin, dass seit dem Urnengang eine massive Zunahme von Gewalt, Folter, Mord und Plünderungen festzustellen sei.
Mugabe klebt an der Macht
Der 84-jährige Mugabe klammert sich auch nach 28 Jahren an der Macht weiter an sein Amt. Unter ihm steuerte Simbabwe, dass einst als "Kornkammer Afrikas" galt, in eine tiefe Wirtschaftskrise. Die Inflation in der einstigen britischen Kolonie liegt nach offiziellen Angaben bei 165.000 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent. (APA/red)
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