60. Jahrestag von Israels Unabhängigkeit:
Feiern mit Militärparaden und Strandfesten
- Trauertag im Westjordanland und im Gazastreifen
- Spekulationen über politisches Ende von Ehud Olmert

·UN-Lebensmittelhilfe
in Gaza fortgesetzt
Israel liefert in letztem Moment nötigen Treibstoff
·Aufwind für Nahost- Friedensgespräche
Olmert und Abbas hoffen auf Lösung zu Jahresende
·INFO-GRAFIK:
Streitpunkte zwischen Israelis & Palästinensern
Mit Militärparaden und volksfestartigen Picknicks am Strand haben die Israelis den 60. Jahrestag der Staatsgründung gefeiert. "Wir haben uns eine Zukunft geschaffen, die unsere Träume übertrifft", sagte Präsident Shimon Peres. Aus Angst vor palästinensischen Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Palästinenser begingen den Jahrestag als Trauertag. Unterdessen rissen die Spekulationen über ein mögliches politisches Ende von Ministerpräsident Ehud Olmert nicht ab.
"All dies haben wir nach der Shoah und im Angesicht überwältigender Schwierigkeiten erreicht", sagte Peres der "Bild"-Zeitung. Sein Land sei stolz darauf, in den vergangenen sechzig Jahren sieben Kriege überstanden zu haben. Die Gründung Israels sei einmalig in der Weltgeschichte, weil "ein Volk, das vertrieben und über die Welt verstreut war, zurückgekehrt ist. Das hat es in den 2000 Jahren zuvor nie gegeben". Von Deutschland wünsche er sich, "dass die Schatten der Vergangenheit nie wieder zurückkehren, nie wieder einen Platz in dieser Welt finden werden", sagte Peres.
13 Millionen Hamburger usw.
Militärmaschinen donnerten über das Land, die israelischen Streitkräfte öffneten zahlreiche Stützpunkte für einen Tag der offenen Tür. Über dem Strand von Ashkelon bei Tel Aviv wollten 120 Fallschirmjäger aus einem Dutzend Ländern einen gemeinsamen Sprung absolvieren. Für den Festtag wurden nach Angaben des staatlichen Rundfunks 13 Millionen Hamburger, Steaks und Würstchen zubereitet.
Die Feiern zum Unabhängigkeitstag begannen bereits am Vortag. Dabei drängten sich tausende von Menschen auf dem Jerusalemer Zionsplatz, um das jedes Jahr dort stattfindende Feuerwerk mitzuerleben. Höhepunkt der Feiern ist in der nächsten Woche eine Konferenz in Jerusalem, zu der US-Präsident George W. Bush, der internationale Nahost-Beauftragte Tony Blair sowie führende Manager erwartet werden.
Trauertag für Palästinenser
Im Westjordanland und im Gazastreifen wurde der Jahrestag als Trauertag begangen, weil bei der Staatsgründung Israels mehrere hunderttausend Palästinenser entwurzelt wurden. In Bethlehem folgten etwa 500 Demonstranten einem riesigen Schlüssel, mit dem die Hoffnung der Flüchtlinge symbolisiert werden sollte, eines Tages in ihre Heimatdörfer in Israel zurückzukehren. Während der Feiertage war Palästinensern die Einreise nach Israel aus Angst vor Anschlägen untersagt.
Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad sagte zum Tag der "Nakba" (Katastrophe) in Ramallah, bei den Nahost-Gesprächen mit Israel gebe es vielfältige Probleme. Umsomehr verfolgten die Palästinenser ihren Traum der Unabhängigkeit und des "Rechts auf Rückkehr der Flüchtlinge".
Olmert am Ende?
Auch am Festtag rissen in Israel die Spekulationen über ein mögliches politisches Ende von Ministerpräsident Olmert nicht ab. Nach Informationen der Tageszeitung "Jediot Ahronot" gehen die Justizbehörden Hinweisen nach, dass Olmert von einem US-Geschäftsmann hohe Geldbeträge für seine Wahlkampfkasse erhalten haben soll. Olmerts Ex-Sekretärin wurde in der Sache bereits viermal vernommen und steht unter Hausarrest.
Olmert gedachte bei einer Zeremonie auf dem Friedhof auf dem Jerusalemer Herzl-Berg der Soldaten, die seit der Staatsgründung Israels gefallen sind. "Unsere gesamte nationale Existenz und die Sicherheit und das Wohlbefinden der israelischen Bürger hängen von unserem Willen zur Selbstverteidigung ab", sagte der Regierungschef. "Es gibt nichts, was wir uns mehr wünschen, als ein Ende des Konflikts mit unseren Nachbarn". Seit Mai 1948 wurden mehr als 22.400 israelische Soldaten im Kampf getötet, mehr als 1.600 Zivilisten starben bei Anschlägen. (apa/red)
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