Santa Cruz stimmt für Autonomie: Heftiger Streit um rohstoffreiche Region in Bolivien
- Ein Toter und 20 Verletzte nach Zusammenstößen
- Für Morales iat Referendum "vollständiger Misserfolg"

·Blutige Streitigkeiten bei Autonomievotum
Bolivien: 21 Verletzte bei Auseinandersetzungen
Die reichste Region Boliviens hat in einem Referendum für ihre Autonomie gestimmt und damit Befürchtungen vor einer Spaltung des südamerikanischen Landes geweckt. Nach Auszählung von gut einem Fünftel der Stimmen sprachen sich gut 80 Prozent der Befragten für eine Autonomie der rohstoffreichen Region Santa Cruz aus, wie der regionale Wahlgerichtshof mitteilte. Der linksgerichtete bolivianische Staatschef Evo Morales bezeichnete die Abstimmung als illegal. In der Regionalhauptstadt, die ebenfalls Santa Cruz heißt, feierten Tausende das Abstimmungsergebnis. Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Referendums wurden ein Mensch getötet und 20 weitere verletzt.
Als autonome Region soll Santa Cruz das Recht bekommen, seine Ressourcen selbst zu verwalten und eine eigene Polizeitruppe aufzustellen. Die Region verfügt über die größten Gasvorräte des Landes und gilt als Wirtschaftsmotor Boliviens, dem ärmsten Land Südamerikas.
Ergebnis als ungültig betrachtet
Morales hatte angekündigt, dass er das Referendum als ungültig betrachte, nachdem der Nationale Wahlgerichtshof die Abstimmung untersagt hatte, das Wahlgericht von Santa Cruz es aber zuließ. In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache wertete der neo-sozialistische Staatschef das Referendum als Misserfolg für die Autonomie-Befürworter. Angesichts der hohen Zahl von Stimmenthaltungen habe "diese illegale und verfassungswidrige Abstimmung" nicht den Erfolg gehabt, den sich "bestimmte Familien" erhofft hätten, sagte Morales mit Blick auf örtliche Unternehmer und Großgrundbesitzer. Nach Angaben des privaten Fernsehsenders PAT enthielten sich 25 Prozent der Stimmberechtigten.
Die Regierungen von Santa Cruz und von drei weitere Regionen, die nach mehr Autonomie streben, forderte Morales zum Dialog auf. Er wolle mit ihnen an einer "echten Autonomie" arbeiten, sagte er. Es solle eine Autonomie für alle und nicht nur einzelner Gruppen sein.
Feiern und Tränengas
In der Innenstadt von Santa Cruz feierten tausende Autonomie-Befürworter das Abstimmungsergebnis. Die Demokratie "hat triumphiert", rief der Gouverneur der Region, Ruben Costas, der Menge zu. Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Unterstützern des Referendums wurden im Osten des Landes mindestens 20 Menschen verletzt, wie der Regierung in La Paz erklärte. Nach Krankenhausangaben starb ein älterer Mann, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. Einer der Verletzten wurde demnach durch eine Sprengstoffexplosion verwundet.
Wie Morales lehnten auch die Ureinwohner - eine Minderheit in Santa Cruz - das Referendum ab. Einwohner einer Armensiedlung versuchten nach Angaben eines AFP-Fotografen kurz nach Beginn der Abstimmung, ihr Wahllokal zu stürmen. Sie bewarfen die Wahlhelfer mit Steinen, es kam zu heftigen Schlägereien. In Santa Juliana zerstörten wütende Ureinwohner ein Wahllokal.
Gescheiterter Verfassungsentwurf
Das Referendum in Santa Cruz war eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf von Morales, der den Ureinwohnern mehr Autonomie zugestehen und dem Präsidenten mehr Vollmachten geben sollte. Die von Großgrundbesitzern dominierte Region Santa Cruz wehrt sich jedoch gegen den zunehmenden Zugriff der Zentralregierung auf seine Wirtschaft, durch den die armen und mehrheitlich von Indios bewohnten Landesteile mitfinanziert werden.
Mit der Volksabstimmung vertiefte sich die Kluft zwischen armen und reichen Regionen in Bolivien. Im Juni wollen die drei wohlhabenden Provinzen Tarija, Beni und Pando ebenfalls über ihre Autonomie abstimmen. Zwei weitere Regionen erwägen ebenfalls ein Referendum.
(apa/red)
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