Mehrheit kritisiert Vorgehen der Behörden:
Adoption und Pflegschaft nicht gut überprüft
- 92,6 % der Österreicher mit Maßnahmen unzufrieden
- Mehrheit sieht schweren Imageschaden für Amstetten

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Soll ab 1.1. 2009 gelten -
Opposition unzufrieden
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"Die öffentliche Wahrnehmung der Behörden ist eine völlig andere als deren Selbstdarstellung." So fasste der "Oekonsult"-Chef Joshi Schillhab eine repräsentative Umfrage zum Amstettner Inzest-Fall zusammen. 92,6 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich die zuständigen Behörden unzulässigerweise einen "voreiligen Persilschein in eigener Sache" ausgestellt haben.
Vor allem die schnelle öffentliche Zurückweisung etwaiger Unterlassungen seitens der Behörden hielten die Österreicher für "völlig unangemessen und unglaubwürdig" und sei laut Schillhab "an Ablehnung fast nicht zu überbieten". So waren nur 10,6 Prozent der Befragten mehr oder weniger der Meinung, dass die zuständigen Behörden alles unternommen haben, um das damalige Verschwinden von Elisabeth F. und die wiederholten Kindesweglegungen aufzuklären. 32,8 Prozent beantworteten diese Frage mit "trifft überhaupt nicht zu".
Pflegschaft nicht ausreichend geprüft
Auch waren 93,1 Prozent nicht davon überzeugt, dass die zugesprochene Adoption und die Pflegschaften der vermeintlichen Findelkinder ausreichend geprüft und hinterfragt wurden. Weitere 90,1 Prozent der Umfrageteilnehmer vertraten mehr oder weniger stark die Ansicht, "dass im Fall des Josef F. die sogenannten Persönlichkeitsrechte eines möglichen Täters über jene von potenziellen Opfern gestellt wurden", 36,9 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage gar "voll und ganz" zu.
Österreicher ohne Zivilcourage
Insgesamt hielten es nur 5,3 Prozent der Umfrageteilnehmer für "durchaus glaubwürdig", dass weder Polizei, noch Nachbarn, Freunde oder Lehrer "irgendetwas Relevantes rund um den Josef F. bemerkt haben", das Anlass zum Einschreiten gegeben hätte. 45,8 Prozent antworteten auf diese Frage mit "trifft überhaupt nicht zu". Die große Mehrheit vertrat die Ansicht, dass in Österreich generell zu wenig Zivilcourage herrsche (93,7 Prozent).
Schwerer Imageschaden für Amstetten
In puncto Imageschaden durch den Kriminalfall machten die Befragten "sehrwohl Unterschiede", erläuterte Schillhab. Während 60,6 Prozent der Befragten einen schweren Imageschaden für Amstetten befürchteten, glaubte nur knapp ein Drittel, dass ein solcher auch dem Bundesland Niederösterreich drohen könnte. Dass ganz Österreich durch den Fall F. pauschal in Verruf geraten könnte, meinten wiederum 40 Prozent.
Recht auf faires Gerichtsverfahren
Überdies ergab die Befragung von insgesamt 1.137 Österreichern ab 16 Jahren "trotz des schrecklichen Ereignisses ein nationales Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit", wie es Schillhab ausdrückte. 80,7 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten mehr oder weniger der Aussage zu, dass Josef F. das Recht auf ein faires und objektives Gerichtsverfahren hat. Aus rationaler Sicht waren 62,4 Prozent der Meinung, dass der Beschuldigte die bestmögliche Verteidigung im Strafverfahren erhalten soll, aus emotionaler Perspektive stimmten dem nur mehr 40,7 Prozent zu. (apa/red)
