Donnerstag, 1. Mai 2008

Ausstellung zum Sitzen und Besitzen: Franz West sorgt im MAK für Wohnzimmerflair

  • Exquisite Wohlfühlatmosphäre lädt zum Ausruhen ein
  • "Sit on My Chair, Lay on My Bed" bis 28. September

"Es tut immer gut, mit Franz West ein wenig zu wohnen", freute sich MAK-Direktor Peter Noever über das superschicke Wohnzimmer, das ihm West in der Schausammlung Gegenwartskunst eingerichtet hat. "Sit on My Chair, Lay on My Bed" lautet der Untertitel der Ausstellung, die bis zum 28. September zum "Sitzen und Besitzen" der durchwegs angewandten Möbel-Kunst einlädt.

"Die sind zum Teil bequem und zum Teil unbequem", merkte West selbst trocken an. Er sei jedenfalls "froh darum, einmal nur die Möbel zeigen zu können", und hat zu diesem Zweck einerseits frühe Arbeiten, andererseits Aktuelles zu einer bunten Situation zwischen Wohnen und Ausstellen arrangiert.

Quer durch die Bank
Pinke Sitzgruppen um Glastische, aufgefädelte Liegen zwischen Luftmatratzen und fragilen Metallgestellen auf der einen und eine stoffvariantenreiche Deklination eines prototypischen Stuhls auf der anderen Seite statten die Schausammlung gleichzeitig mit Museumsexponaten und mit künstlerisch exquisiter Wohlfühlatmosphäre aus. "Könnte zum Schnapstrinken verwendet werden", liest es sich auf einem Tischchen. "Wir sind eben doch in einem Museum und nicht in einem Möbelhaus", erklärte Noever die scheinbar unpassende Abwesenheit eines Buffets.

Flippige Farben
Für ein Möbelhaus wäre zumindest die Tapete etwas fehl am Platz. Peter Noevers Gesicht blickt in hundertfacher Ausführung davon herunter, mal etwas zusammengepfercht, mal etwas gedehnt, immer mit teuflischen Spock-Ohren. "Der Schrecken des Hausherren", so West, der mit der Tapetengestaltung begonnen hat, "weil ich Probleme mit weißen Wänden habe." Rosa und Schwarz leuchten sie also zwischen der Einrichtung hervor - ein Aufmerksamkeitswettbewerb, der mühelos von einer der frühen Arbeiten Wests, der massigen Sitzgelegenheit "Eo Ipso" (1987) für sich entschieden wird. Die hellgrün lackierte Skulptur, die zwei Sitzplätze durch einen Hörkanal verbindet, wurde aus der Waschmaschine von Wests Mutter angefertigt und vom MAK damals rasch angekauft.

Kunst zum Ausruhen
"Inzwischen ist die Republik allerdings verarmt", so Noever bitter. Deshalb stelle man hier viele "Objekte der Begierde" aus, die für die Sammlung des Hauses eigentlich sehr wichtig wären. 2001 war West im MAK bereits eine Personale gewidmet, für das "Selbstverständnis des Hauses" sei seine Kunst unerlässlich, betonte Noever. Angewandte Kunst, das heißt hier: "Der Benutzer wird für den Betrachter zum Vermittler." Im Idealfall - wie er mit der Aufforderung "Sit on My Chair, Lay on My Bed" geschaffen werden soll - sind alle drei die selbe Person. (apa/red)

1.5.2008 14:36