Montag, 28. April 2008

Neue Hoffnung für Hepatitis-C-Patienten:
Methode bringt 80 Prozent Heilungschancen

  • In Österreich sind rund 90.000 Menschen betroffen
  • Neue Strategien gegen Hepatitis von HIV abgeschaut

Die Hepatitis C könnte ihren Schrecken verlieren: Ist die chronische Infektion mit bestimmten Typen des HC-Virus derzeit nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen heilbar, visieren die Wissenschafter mit zusätzlichen Medikamenten auch hier Heilungsraten von 80 Prozent an. Damit könnten weltweit viele Menschenleben gerettet werden. Dies erklärten Experten beim Europäischen Leberkongress (EASL) in Mailand.

"Vor 20 Jahren kannte man die Hepatitis C noch gar nicht. Heute können wir rund 50 Prozent der Patienten heilen", sagte Matei Popescu, Chef der medizinischen Abteilung für Virologie und Organtransplantationen des Schweizer Pharmakonzerns Roche. Weltweit leben rund 180 Mio. Menschen mit einer HCV-Infektion. Die Ansteckung mit dem Virus geht in 80 Prozent der Fälle in eine chronische Erkrankung über. Leberzirrhose und Karzinome sind die Langzeitfolgen. In Europa sind 1,2 Mio. Menschen betroffen, in Österreich rund 90.000. Das Virus wurde ehemals vor allem durch Blutkonserven und Plasmaspenden übertragen. Dieses Risiko wurde weitestgehend ausgeschaltet. Eine Risikogruppe sind i.v.-Drogensüchtige, welche die Spritzen tauschen.

Hepatologe Rudolf Stauber von der Grazer Universitätsklinik in Mailand gegenüber der APA: "Wir arbeiten an der Klinik sozusagen weiterhin den Pool an HCV-Infizierten auf, die es schon gab. Aber in Graz sind auch 30 Prozent der Drogenpatienten infiziert."

Unterschiedlich wirksam
Die bisherige Behandlung besteht aus sogenanntem pegyliertem Alpha-Interferon (z.B. "Pegasys"), das künstlich lang wirksam gemacht wurde und einmal wöchentlich injiziert werden muss. Hinzu kommt die antivirale Substanz Ribavirin ("Copegus"). Doch die ein halbes oder ein Jahr lang dauernde Therapie ist vor allem wegen der möglichen Interferon-Nebenwirkungen belastend. Es gibt aber noch ein zweites Faktum. Die Behandlung ist je nach HV-Virustyp unterschiedlich wirksam.

Stauber: "Bei einer Infektion mit dem Genotyp 1, und das sind 60 Prozent der österreichischen Patienten, liegt die Heilungsrate bei 40 bis 50 Prozent. Patienten mit dem Genotyp 2 oder 3 hingegen können zu 80 bis 90 Prozent geheilt werden." Das Zukunftsprojekt: Die Wirksamkeit der Therapie bei den bisher schlecht behandelbaren Infektionen deutlich zu verbessern, bei den bereits gut behandelbaren Fällen könnte man vielleicht die Therapiedauer oder die Dosis reduzieren.

Erste Tests an Patienten erfolgreich
Im Grunde genommen haben sich die Wissenschafter ihre neuen Strategien gegen die Hepatitis C-Viren (HCV) von jenen gegen HIV "abgeschaut". Es geht um die Hemmung des Polymerase-Enzyms, mit dem das Virus seine Erbsubstanz bei der Infektion von Zellen umbaut und um die Hemmung des HCV-Protease-Enzyms, mit es in infizierten Zellen entstehende neue Viruspartikel zurechtschneidert. Hier sind die ersten Wirksubstanzen bereits in klinischen Tests. Auch das HCV-Helicase-Enzym könnte ein Ziel für zukünftige Therapien sein, doch hier fehlen offenbar noch entsprechende Wirksubstanzen.

Roche-Forscher Matei Popescu: "Das Gute an den Polymerase-Hemmern ist das Faktum, dass sie gegen alle Genotypen des HC-Virus wirken und eine hohe Resistenz gegenüber der Entwicklung von Resistenzen haben." Das Hinzufügen einer solchen in Entwicklung befindlichen Wirksubstanz (R1626) zu der herkömmlichen Therapie mit pegyliertem Interferon alpha und Ribavirin brachte in ersten Studien bei mehr als 80 Prozent der Behandelten ein Verschwinden des Virus - bis zu einem Zeitraum von zumindest 48 Wochen. Ähnlich hoch war die Erfolgsrate mit einer anderen ähnlichen Substanz (R7128) in ersten Untersuchungen an Patienten - noch dazu hatten sie auf die herkömmliche Behandlung nicht angesprochen.

In Erprobung an Kranken ist auch bereits der Protease-Hemmer R7227. Auch damit lässt sich die Konzentration der HC-Viren im Blut dramatisch reduzieren. Doch die Basis der Behandlung bleiben derzeit auf jeden Fall Alpha-Interferon in seiner langwirksamen Form und Ribavirin. Es scheint nämlich so zu sein, dass das Interferon in einem synergistischen Effekt mit den anderen Medikamenten die Entstehung von resistenten Hepatitis C-Viren verhindert.
(apa/red)

28.4.2008 09:02