Sonntag, 4. Mai 2008

Kein Ende der Korruptionsaffäre: Neue Vorwürfe gegen ehemalige Siemens-Führung

  • Ex-Manager belastet früheren Konzernchef Pierer
  • Eklat hat Siemens bereits 1,9 Milliarden Euro gekostet

In der Korruptionsaffäre bei Siemens kommen immer neue Vorwürfe gegen die ehemalige Führungsspitze ans Licht. Ein ehemaliger Top-Manager soll Aussagen bestätigt haben, die den langjährigen Konzernchef Heinrich von Pierer belasten, schreibt "Der Spiegel". Laut "Süddeutscher Zeitung" kommt zudem der ehemalige Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zunehmend in Bedrängnis.

Laut "Spiegel" bezieht sich der Zeuge auf ein Milliardengeschäft mit Argentinien, bei dem in den Neunzigerjahren Schmiergeld geflossen sei. Dazu habe ein hochrangiger Siemens-Manager den Ermittlern gegenüber sowohl Pierer als auch die Ex-Vorstände Neubürger, Volker Jung und Uriel Sharef belastet.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" haben zwei Zeugen Pierer bei der Münchner Staatsanwaltschaft "schwer belastet". Der frühere Vorstandschef habe Angestellte des Konzerns zu Schmiergeldzahlungen aufgefordert, lauteten die Vorwürfe. Ein dritter Zeuge solle das bestätigt haben. Pierer weise die Anschuldigungen zurück und beteuere weiterhin seine Unschuld.

Neubürger, der im April 2006 bei Siemens ausschied, wird laut der "Süddeutschen Zeitung" unter anderem vorgeworfen, frühzeitigen Hinweisen auf Schmiergeldzahlungen in Nigeria nicht konsequent nachgegangen zu sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittele deshalb bereits seit Anfang 2007 gegen ihn. Der Ex-Finanzvorstand hat nach "SZ"-Angaben bei seinen Vernehmungen Versäumnisse zugegeben.

Die Korruptionsaffäre hat Siemens angeblich bereits 1,8 Mrd. Euro gekostet. Einen Teil das Geldes will sich das Unternehmen offenbar vom früheren Management wiederholen.

(apa/red)

4.5.2008 20:12