Der Austro-Scheich als Retter der AUA: Investor Al Jaber will 20 % übernehmen
- Österreichs reichster Investor bietet 150 Millionen
- AUA-Chef-Ötsch: "Gibt der AUA zusätzliche Kraft"

Am 7. Mai wird die Zukunft der Austrian Airlines entschieden. Die Hauptversammlung stimmt ab, ob Mohamed Bin Issa Al Jaber, Scheich mit österreichischem Pass, 20 Prozent der AUA kaufen darf. Der Geschäftsmann, laut Ranking des US-Magazins "Forbes" mit einem Vermögen von gut 3,5 Milliarden Euro reichster Österreicher, will 150 Millionen Euro dafür hinblättern.
Freilich wurde der AUA-Kurs im Vorfeld bereits Richtung Al Jaber fixiert. Sowohl Staatsholding ÖIAG als auch AUA-Boss Alfred Ötsch wollen Al Jaber an Bord begrüßen.
Zwergenaufstand
Trotzdem könnte es Turbulenzen geben. Einerseits wollen Kleinaktionäre gegen den Einstieg des saudisch-österreichischen Geschäftsmannes mobilmachen. Andererseits befindet sich die AUA-Aktie auf einem historischen Tiefststand. Der aktuelle Börsenwert der gesamten AUA von unter 320 Millionen Euro entspricht in etwa dem, was die AUA bar in ihrer Kasse hat. Die Airline wird nach einem verlustreichen ersten Quartal 2008 weit unter ihrem Wert geschlagen.
Damit wird der Preis, den Al Jaber für die AUA bezahlen will und der von Kleinaktionären als zu niedrig kritisiert wurde, plötzlich reichlich hoch. Würde der Scheich an der Börse kaufen, könnte er für 150 Millionen Euro nicht nur 20 Prozent, sondern gut die Hälfte der AUA kaufen.
Hoffen auf Partner
Gemessen am wahren Wert der Airline, erscheint Al Jabers Einstiegskurs aber fair. Offen bleibt nur, was passiert, wenn es bei der Hauptversammlung zu Verzögerungen durch einzelne Aktionäre kommt. Es gibt Aktionärskreise, die sogar hoffen, dass der Austro-Scheich seine Investitionslust verliert. Damit, so die Spekulation, wäre der Weg frei für einen Partner wie die Lufthansa. Ein solcher Einstieg würde schon im Vorfeld dem Aktienkurs Flügel verleihen und für kräftige Kursgewinne sorgen. Die einfache Rechnung: hohe Gewinne statt nationaler Airline.
Noch wird diese Rechnung aber ohne die Bundesregierung gemacht, die eine eigenständige AUA erhalten will. Dazu bekennt sich auch AUA-Boss Ötsch mit aller Deutlichkeit. Er sieht seine Flugzeuge trotz explodierender Treibstoffpreise auf einem guten Kurs. "Die AUA hat gute Karten, um gestärkt aus der momentan für alle Airlines schwierigen Situation hervorzugehen", bleibt der Chefpilot im NEWS-Interview optimistisch.
Krise als Chance
Bleibt der Kerosinpreis, der sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt hat, auf so hohem Niveau oder steigt er gar weiter, könnte die gesamte Branche ins Trudeln kommen. Nicht alle Airlines können das überstehen. In den USA bahnen sich deshalb schon Mega-fusionen an.
Luftkampf brutal
Für die AUA könnten sich aber auch gute Chancen ergeben, weitere Marktanteile zu gewinnen. In Österreich könnte es AUA-Konkurrent SkyEurope treffen. Die Preisbrecher-Airline, die für beinharten Wettbewerb sorgt, verfügt nur noch über eine äußerst dünne Kapitaldecke. Im Gegensatz zur AUA hoffen die Fluggäste allerdings, dass der Preiskampf über den Wolken nicht so rasch eingestellt wird.
Den längeren finanziellen Atem in diesem brutalen Luftkampf werden allerdings die Austrian Airlines haben. Und mit der Kapitalspritze von Scheich Al Jaber kann sie noch zusätzliche Destinationen ansteuern. Neue Flugzeuge für weitere Strecken sind jedenfalls schon bestellt.
Lesen Sie die komplette Geschichte im NEWS Nr. 18/08!

