" Einfach froh, dass es auch mal vorbei ist":
Oliver Kahn verlässt internationale Bühne
- Bayern-Goalie nimmt 0:4-Debakel durchaus gelassen
- Münchner haken die Niederlage als Betriebsunfall ab

·Bayern München von Zenit 0:4 gedemütigt
Fliegen in hohem Bogen aus UEFA-Cup-Halbfinale
·UEFA Europa-League:
Auslosung 2009/2010
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Ein 0:4-Debakel zum Abschied - schlimmer als mit seiner höchsten Europacup-Niederlage im Tor des FC Bayern hätte die internationale Karriere für Oliver Kahn kaum enden können. Doch der Kapitän ertrug das Halbfinal-K.o. im Fußball-UEFA-Cup gegen Zenit St. Petersburg auf dem Fußballplatz fast stoisch und überraschte mit erstaunlicher Gelassenheit: "Irgendwann ist man einfach froh, dass es dann auch mal vorbei ist."
Mit einem alkoholfreien Bier in der Hand zog der Torwart-"Titan" einen Schlussstrich unter 14 internationale Jahre mit den Bayern. "Es ist besser, so auszuscheiden als im Elfmeterschießen oder knapp oder unglücklich", meinte der 38-Jährige. "Wir waren einfach chancenlos", konstatierte er mit einer verblüffenden und beinahe schon irritierenden Gemütsruhe.
Kein tobender Kahn nach dem Schlusspfiff
Nach dem Schlusspfiff hatte Kahn weder getobt noch geflucht, er schüttelte auch keinen Mitspieler. Seelenruhig ergriff er seine Wasserflasche, applaudierte kurz den Bayern-Fans hinter seinem Tor, reichte dem Schiedsrichter die Hand und schlich von dannen. "Soll ich mich umbringen oder was? Für manche Sportler gibt es noch ganz andere Endstationen in diesem Geschäft", erklärte Kahn, der in seinem 142. und letzten Europacupspiel erst zum dritten Mal vier Tore als Bayern-Torhüter kassierte. Widerfahren war ihm dies zuvor nur 2005 beim 2:4 gegen Chelsea und 2006 beim 1:4 gegen den AC Milan - jeweils in der Champions League.
Von einem missratenen Schlusspunkt mochte der Veteran nichts wissen. "Abschied versaut? Nee! Was will ich denn mehr, als in der Saison zwei Titel zu gewinnen. Ich wäre auch mit einem dankbar gewesen", sagte Kahn in ungewohnter Bescheidenheit.
Bayern erfreuen sich am nationalen "Double"
Als der erste Schock nach der Demütigung im UEFA-Cup-Halbfinale überwunden war, versuchten sich auch die anderen Bayern-Spieler am nationalen Titel-Glück aufzurichten. Der Cupsieg und die deutsche Fußball-Meisterschaft sollen die internationalen Prügel des 0:4 gegen Zenit St. Petersburg und geplatzten Traum vom "Triple" überstrahlen. Groß war der Jubel hingegen bei den Russen, die am 14. Mai in Manchester gegen die Glasgow Rangers erstmals ein Europacup-Finale bestreiten.
Debakel wird als Betriebsunfall abgetan
Im Lager der Münchner wurde die laut Trainer Ottmar Hitzfeld "katastrophale Leistung" zum Betriebsunfall erklärt. "Wir sollten uns alle nicht verrückt machen. Wir haben aus meiner Sicht alle Ziele erreicht", meinte Uli Hoeneß. "Saufen und Feiern" riet der Manager den Spielern, die wie Luca Toni entsetzt waren: "Das war das schlechteste Spiel, an das ich mich erinnern kann", kommentierte der italienische Weltmeister.
Der Unterschied zwischen nationaler Dominanz und dem K.o. im UEFA-Cup, der lediglich zweiten europäischen Klasse nach der Champions League, wollte Hoeneß nicht diskutieren. "Ach, hören Sie mir doch auf mit dem national und international. Das lasse ich mir nicht einreden, dass wir international keine Rolle spielen. Unsere Mannschaft ist müde - basta!" Hitzfeld gestand: "International waren wir nicht so stark".
(apa/red)
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