Fackellauf in Macao verläuft harmonisch:
Anti-chinesische Proteste bleiben völlig aus
- Flamme wurde mit Löwentänzen und Fahnen begrüßt
- Schneefälle verzögern Fackellauf auf Mount Everest

·China: Verbalattacke gegen den Dalai Lama
Für "Verbrechen" in Tibet verantwortlich gemacht
·Jubel und Proteste bei Fackellauf in China
Läufer tragen Feuer acht Stunden durch Hongkong
Die olympische Fackel ist auf ihrer zweiten Etappe in China in Macao von Tausenden Peking-treuer Zuschauer bejubelt worden. Zahlreiche Besucher waren vom chinesischen Festland in die ehemalige portugiesische Kolonie gekommen, um den 120 Fackelläufern zu applaudieren. Anti-chinesische Proteste gab es nicht, obwohl solche Aktionen in der Sonderverwaltungszone - ähnlich wie in Hongkong - erlaubt gewesen wären.
Das für seine Spielcasinos bekannte Macao, das 1999 an China zurückgegeben worden war, gilt als weniger aufmüpfig gegenüber den Machthabern in Peking als die Nachbarmetropole Hongkong. Dort war es beim ersten Fackellauf auf chinesischem Boden zu vereinzelten Protesten gekommen. Hongkongs Polizei wurde dafür kritisiert, dass sie Proteste verhindert habe.
"Reise der Harmonie
Auch in Hongkong hatten allerdings die Befürworter der Spiele die Demonstranten bereits übertönt. Nach den teilweise massiven Protesten bei der weltweiten Tournee durch 19 Länder hat für die Fackelläufer in China damit die von Peking beschworene "Reise der Harmonie" begonnen.
Als nächstes wird die olympische Flamme auf der südchinesischen Tropeninsel Hainan erwartet. Dort soll sie zunächst 30 Kilometer durch das beliebte Touristenzentrum Sanya getragen werden. Die Insel ist für China wegen ihrer strategischen Lage an der Seeroute nach Südostasien ein wichtiger Flottenstützpunkt.
Umstrittener Fackellauf auf Mount Everest wackelt
Der besonders umstrittene Fackellauf auf den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt, könnte dagegen durch Schneefälle verzögert werden. Ein Mitarbeiter des örtlichen Wetterdienstes: "Der Pfad könnte durch den Schnee rutschig werden. Falls es weiter schneit, könnte die dicke Schneedecke das Klettern schwierig machen."
Die Volksrepublik China hatte angekündigt, das olympische Feuer bis Mitte Mai auf den 8848 Meter hohen Gipfel zu tragen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte dieser umstrittenen Route zugestimmt. Exil-Tibeter kritisieren das Vorhaben, weil sie darin eine Bestätigung des chinesischen Machtanspruchs über ihr Hochland sehen.
Politik der "leeren Stühle"
Die Vizepräsidentin der internationalen Journalistenorganisation für die Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF bzw. ROG) und Chefin der österreichischen RSF-Sektion, Rubina Möhring, befürwortet eine Politik der "leeren Stühle" bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zu den Olympischen Sommerspielen in Peking. Ein solcher Boykott durch die führenden demokratischen Staatsmänner wäre "keine Heuchelei", sondern ein Signal von "hohem Symbolcharakter", sagte Möhring in einem ORF-Radiointerview im Ö1-Mittagsjournal.
Peking gehe verschärft gegen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten vor ("ein Artikel oder ein Interview - ein halbes Jahr Haft, zwei Artikel - ein ganzes Jahr"), deshalb sollte man auch zeigen, dass man "keinen Wert darauf legt, Gast zu sein", so Möhring. Dies käme auch dann zum Ausdruck, wenn Staaten nur die "zweite oder dritte Garnitur" nach Peking zur Eröffnung schicken würden. (apa/red)
