32 Tote und Dutzende Verletzte in Bagdad: Kämpfe im Schiitenviertel außer Kontrolle
- US-Militärsprecherin nennt Mahdi-Kämpfer "Feiglinge"
- Alle Offensiven in Sadr-City bislang gescheitert

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Amerikanische Opfer werden Bush gewidmet
·Schiitenführer Sadr droht mit Krieg im Irak
Sollten Angriffe der US- Truppen nicht aufhören
Die Lage in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City gerät fünf Wochen nach Beginn der Offensive von US-Truppen und irakischen Regierungseinheiten gegen die Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr immer mehr außer Kontrolle. Seit Beginn der Kämpfe Ende März sind dort nach offiziellen Angaben mindestens 925 Menschen getötet worden.
Im Irak sterben wieder mehr US-Soldaten. In der Nacht auf Mittwoch töteten Aufständische im Nordwesten der irakischen Hauptstadt nach Militärangaben zwei US-Soldaten. Ein weiterer Soldat sei am Montag bei einem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt in Bagdad gestorben, hieß es. Damit starben im April nach Angaben der Organisation "Iraq Coalition Casuality Count" 46 amerikanische Soldaten. So hohe Verluste binnen Monatsfrist hat das US-Militär im Irak seit September vergangenen Jahres nicht erlitten. Damals waren 65 US-Soldaten getötet worden.
32 Tote Milizionäre
Das US-Militär berichtete am Mittwoch von neuerlichen heftigen Kämpfen, bei denen seit Dienstagmorgen in Sadr-City 32 Milizionäre getötet und sechs amerikanische Soldaten verletzt worden seien. Bewohner des Schiitenviertels gaben noch höhere Opferzahlen an. Eine US-Militärsprecherin erklärte, die Milizionäre seien "Feiglinge", die aus Wohnhäusern feuerten und sich nicht um zivile Opfer scherten. Die "Mahdi-Armee", die landesweit rund 60.000 Mann unter Waffen haben soll, hatte die jüngsten Gesprächsvorschläge von Ministerpräsident Nuri al-Maliki verworfen.
Was Maliki anzubieten habe, sei kein "konstruktiver Dialog", erklärte ein Milizsprecher in Najaf. Die Miliz werde sich nicht widerstandslos entwaffnen lassen und lehne es ab, von der Regierung gesuchte Milizangehörige auszuliefern. Viele irakische Soldaten hatten im März während einer von Maliki angeordneten Offensive gegen die Mahdi-Miliz in der südlichen Hafenstadt Basra und in Sadr-City den Befehl verweigert. Unter den Befehlsverweigerern waren Schiiten, die nicht auf "schiitische Brüder" hatten schießen wollen, und Soldaten, die mögliche spätere Racheakte der Milizionäre fürchteten.
Kritik an Saddam-Hinrichtung
Der Vorsitzende des Sonderstrafgerichtshofes zur Ahndung der Verbrechen des 2003 durch die US-Invasion entmachteten Baath-Regimes, Rauf Rashid Abdulrahman, hat nach Medienberichten vom Mittwoch Kritik an der Art und Weise der Hinrichtung von Ex-Präsident Saddam Hussein geübt. Die Exekution des langjährigen Machthabers sei "unzivilisiert und rückschrittlich" gewesen, erklärte der kurdische Gerichtsvorsitzende laut einer Meldung der irakischen Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Saddam Hussein hätte nicht an einem islamischen Feiertag gehängt werden dürfen, so der Richter. Außerdem sei es nicht akzeptabel, dass der Hinrichtung Menschen beiwohnten, die die letzten Minuten des Ex-Diktators mit dem Handy filmten, politische Slogans und Schimpfwörter riefen. Saddam Hussein war Ende 2006 am Tag des islamischen Opferfestes wegen seiner Verantwortung für die Hinrichtung von 148 Schiiten in der Kleinstadt Dujail im Jahr 1982 gehängt und zuvor grob misshandelt worden.
Aziz-Prozess verschoben
Der Prozess vor dem Bagdader Sondertribunal gegen den früheren Vizepremier und Außenminister Tarek Aziz wurde am Dienstag verschoben. Für die schwer bedrängte christliche Minorität im Irak, deren Lage sich ständig verschlimmert, ist der Prozess gegen einen ihrer prominentesten politischen Repräsentanten ein Anlass, Gerechtigkeit zu fordern. Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, sagte laut Kathpress, er hoffe, dass das Gerichtsverfahren gegen Tarek Aziz von "Gerechtigkeit, aber auch von Respekt vor den Menschenrechten und der menschlichen Würde" geprägt sein werde. Der Prozess begann am Dienstag in Bagdad und wurde kurz darauf auf 20. Mai vertagt.
(apa/red)
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