Chinas Medien hetzen gegen Dalai Lama:
Unruhen in Tibet "sorgfältig organisiert"
- Zweifel an Ernsthaftigkeit von Chinas Dialogangebot
- Nobelpreisstiftung kündigt Fernsehvertrag mit China
Ungeachtet der von der Pekinger Führung signalisierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem Dalai Lama setzen die chinesischen Medien ihre Attacken gegen das tibetische Exil-Oberhaupt fort. In einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Kommentar wurde der Friedensnobelpreisträger als "Meister der Rhetorik" bezeichnet, dessen Versuche, "das Vaterland zu spalten, zum Scheitern verurteilt" wären. Ein Sprecher des Dalai Lama, Tenzin Takla, zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Pekinger Dialogangebots und verwies auf die Ergebnislosigkeit früherer Kontakte.
Die staatliche Agentur Xinhua beschuldigte die tibetische Exilregierung in Dharamsala in Nordindien und die "Dalai-Clique", die Unruhen in Tibet "sorgfältig organisiert und geplant" zu haben. Bereits am Samstag, einen Tag nach der Ankündigung, schon "in den nächsten Tagen" Kontakte mit der tibetischen Seite anbahnen zu wollen, hatten die chinesischen Staatsmedien wieder scharfe Töne gegen den 14. Dalai Lama angeschlagen. Die "Dalai-Clique" tue alles, "um Tibets Stabilität und Entwicklung zu untergraben", schrieb das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, "Renmin Ribao" (Volkszeitung).
"Wolf in Mönchskutte"
Im März hatte der KP-Chef in Tibet, Zhang Qingli, das seit 1959 exilierte geistliche und weltliche Oberhaupt als "Wolf in Mönchskutte" bezeichnet. "Auch wenn sich die Lage beruhigt, wird die Dalai-Clique nicht von ihren teuflischen Absichten ablassen", wurde Zhang zitiert. Der Kampf gegen den Separatismus werde sehr intensiv sein müssen.
Nobelstiftung kündigt Fernsehvertrag
Wegen Zensur bei der Übertragung der Stockholmer Nobelpreisverleihung in China hat die schwedische Nobelstiftung ihrem Fernsehpartner die Zusammenarbeit aufgekündigt. Wie Stiftungs-Direktor Michael Sohlman in Stockholm mitteilte, war bei der zeitverschobenen Übertragung der Verleihungen vom 10. Dezember 2007 in China eine kurze Passage in der Rede des Stiftungspräsidenten Marcus Storch herausgeschnitten worden. Darin hatte Storch die Bedeutung der Meinungsfreiheit herausgehoben.
Vorwurf des Organhandels
Der in den USA eingebürgerte chinesische Regimekritiker Harry Wu (Wu Hongda), der 19 Jahre als "Konterrevolutionär" in kommunistischen Gefängnissen und Arbeitslagern verbracht hat, beschuldigt China, mit Organen von Hinrichtungsopfern Handel zu treiben. Nun alarmiert ihn ein neuer Trend: Präparierte Körper "Made in China". Abnehmer sollen Veranstalter anatomischer Körper-Ausstellungen sein. US-Politiker haben inzwischen Initiativen eingeleitet. Seit 1991 reiste Wu mehrmals nach China, filmte mit versteckter Kamera und sammelte Beweise für Verstöße gegen die Menschenrechte. In einem Krankenhaus gab er sich als potenzieller Käufer von Organen von Hingerichteten aus.
(apa/red)

