Opfer von Josef F. mit Blick nach vorne:
Kinder versuchen nun zueinander zu finden
- Anwalt: "Elisabeth F. ist eine bewundernswerte Frau"
- Plus: Präventionsmaßnahmen gegen Sexualstraftaten

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Die Situation der Opfer von Josef F. schilderte berührend deren Anwalt Christoph Herbst: "Es ist recht erfreulich, wie es ihnen geht. Die Kinder finden jetzt zu einander". Man sehe den Versuch, Normalität wiederzufinden. Herbst: "Elisabeth F. ist eine bewundernswerte, sie ist eine sehr starke Frau". Die Wiener Psychologin und Spezialistin für posttraumatische Belastungsstörungen, Brigitte Lueger-Schuster, wies allerdings darauf hin, dass Opfer derartiger Verbrechen zunächst einen "Honeymoon" erleben würden. Erst danach könnten sie Stück für Stück das Erlebte aufarbeiten.
Kaum neue Aspekte zu dem Inzest-Fall in Amstetten brachte die ORF-TV-Sendung "im Zentrum". Weitestgehend einig waren sich jedenfalls Kriminalpsychologe Thomas Müller und Wolfgang Bogensberger vom Justizministerium: Um Sexualstraftaten zu verhindern, geht es eher darum, vorbeugend und sensibilisierend zu arbeiten, als bloß Strafen zu erhöhen und Tilgungsfristen zu verlängern. Müller auf die Frage, ob denn eine für Alle einsehbare Sexualstraftäter-Datei etwas ändern würde: "Nur die Einschau zu nehmen, verhindert kein Verbrechen".
Finanzielle Unterstützung
Die Familie wird sehr lange und sehr viel Hilfe brauchen. Herbst: "Ich gehe davon aus, dass alle staatlichen Organe alle Hilfestellungen geben werden". Hier wären Verbrechensopfer- und Sozialgesetze die unmittelbare Hilfestellung, doch: "Die Familie wird natürlich darüber hinausgehende finanzielle Unterstützung benötigen. "Wir werden versuchen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen." Er, Herbst, gehe davon aus, dass es von Bund und Land keinen Regress gegen Josef F. geben werde, der ja auch die materielle Situation der Opfer beeinträchtigen würde. Zu Medienmeldungen, wonach die Liegenschaften des mutmaßlichen Täters überschuldet wären, erklärte der Anwalt: "Ich kann nicht sagen, dass Herr F. überschuldet war". Doch man müsse die Situation erst genauer klären.
Keine überschnellen Reaktionen
Das Justizministerium sieht in der derzeitigen Situation keinen Grund für überschnelle Reaktionen. Je irrationaler ein Verbrechen, desto rationaler müsse man darauf reagieren, erklärte Wolfgang Bogensberger aus dem Ressort. Viele der jetzt schnell geäußerten Forderungen nach schärferen Strafen seien "untauglich für diesen Fall". Der Experte: "Aus unserer Sicht ist das Tilgungswesen (von Verurteilungen nach Straftaten, Anm.) im Wesentlichen sehr sinnvoll. Da ist es viel wichtiger, mehr Licht ins Dunkelfeld zu bekommen. Das bekommt man nicht durch Verlängerung der Tilgungsfrist".
Laut Bogensberger zeigt die Zahl der Verurteilungen wegen Sexualdelikten in Österreich keine starken Schwankungen. Gute Erfahrungen habe man mit Therapien gemacht, die schon während der Haft einsetzten: "Innerhalb von vier Jahren wurden vier Prozent jener rückfällig, die einen Therapieprozess mitgemacht haben". Solche Zahlen wünsche man sich teilweise in anderen Bereichen der Strafjustiz. Kriminalpsychologe Müller betonte, dass höhere Strafen allein Serientäter von Sexualdelikten nicht abhalten würden. Sie würden bei der Durchführung des Verbrechens ausschließlich an den "Erfolg" denken.
Ruf Österreichs
Auch wenn manche Politiker Sorge haben, dass Österreich im Ausland nun einen schlechteren Ruf habe, Österreichs Botschafterin in den USA, Eva Nowotny, hat in Washington bzw. den Vereinigten Staaten davon nichts bemerkt: "Im Allgemeinen hat sich die Berichterstattung sehr an den Tatsachen orientiert". Spekulationen, wonach die Verbrechen von Amstetten etwas mit dem "österreichischen Seelenzustand" generell zu tun hätten, habe man in den USA nicht registriert.
(apa/red)
