Donnerstag, 1. Mai 2008

Paparazzi lauern auf Bäumen vor Spital: Fotografen wollten Inzest-Opfer ablichten

  • Dennoch kehrt in Amstetten langsam wieder Ruhe ein
  • Natascha Kampusch rät zu Zurückhaltung mit Medien

Vor dem Tatort im Inzest-Fall in Amstetten ist erstmals ein wenig Ruhe eingekehrt. Wohl befanden sich noch einige Medienvertreter vor dem "Horror-Haus", es waren jedoch weniger als zuvor. Vor allem internationale Teams hatten die kleine Seitenstraße in der Bezirksstadt wieder verlassen. Dennoch sorgen einige Fotografen für Entsetzen: Sie sollen von Bäumen aus versucht haben, vor dem Krankenhaus Amstetten-Mauer Fotos von den Opfern zu machen.

Der Fall ist immer noch Thema in Amstetten. Zuletzt machten sich zunächst Personen ein Bild vom Tatort, die aufgrund des Medienrummels der vergangenen Tage davon Abstand genommen hatten. Ein älteres Ehepaar war aus der neun Kilometer entfernt liegenden Gemeinde Ulmerfeld-Hausmening zu dem Tatort gekommen - nicht als "Katastrophentouristen", betonten die beiden.

Bestürzung
"Wir sind bestürzt", meinte die Pensionistin. Womöglich bewege dieser fürchterliche Vorfall Menschen dazu, wieder vermehrt das schätzen zu lernen, was sie besitzen und an ihrem eigenen Leben haben, meinte die Frau. Ein vom Tatort weiter weg lebender Amstettner meinte, der Fall sei eine "Katastrophe für die ganze Stadt".

Fotografen von Bäumen gejagt
Entrüstet zeigte sich der Mann über Medienberichte, wonach Fotografen versucht hätten, vor dem Krankenhaus Amstetten-Mauer Fotos von den Opfern zu machen. "Was wollen die dort? Ist noch immer nicht klar, dass die Kinder und Frauen jetzt Ruhe brauchen?", sagte der Amstettner.

Kampusch rät zu Zurückhaltung mit Medien
Natascha Kampusch, die selbst über Jahre in einem Keller gefangen gehalten worden war, hat den Opfern des Inzest-Falls von Amstetten zur Zurückhaltung im Umgang mit den Medien geraten. "Ich hoffe, die Medien haben im Zuge meines Falles etwas dazugelernt", sagte Kampusch zum deutschen TV-Sender NDR.

In einem Interview mit der britischen BBC meinte Kampusch zudem, die Familie des Verbrechers werde ewig unter dem Erlebten leiden. Die seelischen und emotionalen Wunden würden "für immer" bleiben, sagte die Wienerin. Ihrer Meinung nach habe das jüngste Kind die größten Chancen durchzukommen. Sie wünsche der Familie "alles Glück" und hoffe, dass sie die ganze Sache durchstehe.

Kriminaltechniker untersuchen Verlies-Tür
Techniker des Bundeskriminalamts (BK) setzten am Tatort in Amstetten ihre Überprüfung der mit einer Fernbedienung zu öffnende 300-Kilo-Stahltür zu dem Verlies fort, in dem Elisabeth F. 24 Jahre lang gefangen war. Die Elektrotechnik-Spezialisten versuchen herauszufinden, ob die Angaben von Josef F., wonach sich die Tür im Fall seiner Abwesenheit nach einer bestimmten Zeit selbsttätig geöffnet hätte, der Wahrheit entsprechen.

Darüber hinaus überprüfen die Techniker nach Angaben von BK-Sprecher Helmut Greiner eine weitere Aussage des Vaters von Elisabeth F. (42). Der 73-Jährige hatte seiner Tochter gegenüber offenbar behauptet, dass für den Fall, dass ihm etwas zustoße, Gas in das Verlies strömen würde. Diese Drohung wäre möglicherweise eine Erklärung dafür, warum die Gefangenen nie wagten, den Mann zu überwältigen.

(apa/red)

1.5.2008 14:13