Mittwoch, 30. April 2008

Josef F. sitzt in St. Pölten in U-Haft: Mann gilt als "ruhiger und unauffälliger Häftling"

  • Laut Anstaltsleitung "erhöhtes Schutzbedürfnis"
  • 73-Jähriger muss seinen Hofgang alleine absolvieren

Als "ruhigen, unauffälligen, gefassten Häftling" beschreibt Oberst Günther Mörwald, der Leiter der Justizanstalt St. Pölten, den 73-jährigen Josef F. Der Mann, der seine eigene Tochter 24 Jahre in einem Verlies in Amstetten gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben soll, sitzt in U-Haft. Er teilt sich einen zwölf Quadratmeter großen Haftraum mit einem zweiten Insassen und wird ansonsten von den übrigen Gefangenen abgeschirmt.

"Es gibt zwar keine konkreten Anhaltspunkte, wonach Herr F. gefährdet sein könnte. Aber erfahrungsgemäß ist bei spektakulären Sittlichkeitsdelikten, wenn Kinder Opfer sind, für den Beschuldigten ein erhöhtes Schutzbedürfnis gegeben", sagte Mörwald.

Der Tag beginnt für Josef F. nun immer um 6.00 Uhr in der Früh. Da werden die Häftlinge in der Justizanstalt St. Pölten geweckt. Der 73-Jährige hat ein Anrecht auf einen einstündigen Hofspaziergang pro Tag, zu dem er separat von den übrigen Häftlingen ausgeführt wird. In seiner Zelle verfügt er über einen Fernseher und kann Lesestoff - Bücher und Tageszeitungen - beantragen. Um 22.00 Uhr werden die Lampen in der Zelle gelöscht.

Kein Hinweis auf Mittäter
Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat derzeit "keine Hinweise auf Mittäter bzw. Mittäter", sagte Behördensprecher Gerhard Sedlacek. Belastet werde der Mann vor allem von den Angaben seiner 42-jährigen Tochter, deren mehrstündige Befragung Protokoll sich in einem dicken Protokoll niedergeschlagen habe. "Es wird aber sicher die ergänzende Einvernahme der 42-Jährigen nötig sein, wenn sie dazu bereit ist und nicht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht", meinte Sedlacek.

Auch Josef F., der nach seiner Festnahme ein eher knappes Geständnis abgelegt hat, soll in der kommenden Woche von der zuständigen Staatsanwältin eingehend befragt werden, falls er zu einer Aussage bereit ist. Die Staatsanwaltschaft wird auf jeden Fall einen Sachverständigen für Elektronik und Elektrotechnik beiziehen, um abzuklären, ob und wie der 73-Jährige die Türe zum Verlies eingebaut hat und wie der Zutritt abgesichert war.

Befragung der Kinder
Das Ermittlungsverfahren werde sicher "noch einige Zeit dauern", betonte Sedlacek: "Die 42-Jährige wird sicher erst dann befragt, wenn Ärzte und Psychologen grünes Licht geben." Ob und wann ihre Kinder vernommen werden können, sei derzeit nicht absehbar.

Über Fall Kampusch schockiert
Josef F. hat sich trotz seines Doppellebens nichts anmerken lassen - auch nicht, als der Fall Natascha Kampusch bekannt wurde, der Ähnlichkeiten mit seinem Verbrechen aufwies. Josef F. sei "oft vorbeigekommen", sagte ein Bäcker, der in der Nachbarschaft der Familie F. ein Geschäft führt. "Wir haben meistens ein bisschen geplaudert über das Wetter oder was in der Zeitung stand", berichtete der 38-Jährige. "Ich erinnere mich an den Tag, als die Geschichte mit Natascha Kampusch auf der Titelseite stand und er gesagt hat, dass er das ziemlich schockierend fand."

(apa/red)

30.4.2008 14:21