Hätte man Opfer früher finden können? Bei Kontrolle im Keller blieb Familie unentdeckt!
- Heizkessel des "Horror-Hauses" 1999 kontrolliert
- Elisabeth F. wurde zuerst von Polizei festgenommen
Regierung demonstriert Anteilnahme im Ministerrat

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Ist derzeit zu keinen weiteren Aussagen bereit
Am vierten Tag nach Bekanntwerden des Inzest-Dramas in Amstetten stellte sich die Frage, ob die im Verlies gefangen gehaltenen Opfer nicht schon viel früher befreit hätten werden können. Nun wurde bekannt, dass im Jahr 1999 im Keller des "Horror-Hauses" der Kessel im Heizraum kontrolliert wurde. Doch die Opfer, die sich in den Räumlichkeiten nebenan befunden haben mussten, wurden nicht entdeckt.
Vor neun Jahren hatte die Feuerbeschau stattgefunden. Wie Hermann Gruber, Sprecher des Bürgermeisters Herbert Katzengruber am Tatort betonte, sei dabei ein Kessel in einem "eigenen, abgeschlossenen" Heizraum kontrolliert worden. Dieser habe sich außerhalb von dem Verlies befunden. Gruber betonte, dass der Eingang zu dem Verlies mit einem Regal verstellt gewesen sei.
Keine Befragungen geplant
Eine Einvernahme des Tatverdächtigen, dem 73-jährigen Josef F., war nicht geplant. Für die kommenden Tage seien seitens der Staatsanwaltschaft St. Pölten keine Befragungen angedacht. Wie Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft berichtete, sei man jedoch "flexibel, wenn sich die Notwendigkeit ergibt". Laut Sedlacek soll der 73-Jährige kommende Woche befragt werden. Hinzu kommt, das der Verteidiger des Verdächtigen, Rudolf Mayer, seinem Mandaten geraten hat, keine Aussage mehr zu machen. In der Zwischenzeit nahmen die Ermittler wieder die kriminalistische Arbeit am "Horror-Haus" auf.
Zustand der Opfer "relativ unverändert"
Der Zustand der Opfer war "relativ unverändert". Sie wurden weiterhin in den Landeskliniken Amstetten bzw. Amstetten-Mauer behandelt und betreut. Der Zustand der vermutlich 19 Jahre alten Tochter von Elisabeth F. im Landesklinikum Mostviertel Amstetten galt weiterhin als kritisch, aber stabil. Sie wird nach wie vor beatmet, bekommt eine Nierenersatztherapie und Antibiotika, sagten die Ärzte.
Elisabeth F. zuerst festgenommen
Weitere Details zur Festnahme von Josef F. wurden bekannt. Wie Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ) berichtete, sei zunächst das 42-jährige Opfer gewesen, das ursprünglich von den Beamten angehalten und beim Verlassen des Krankenhauses festgenommen worden war. Dies erfolgte einerseits wegen der Vermisstenanzeige, anderseits wegen des Verdachtes der Kindesweglegung. Erst bei der Einvernahme auf einer Polizeistation in Amstetten sei die gesamte Tragweite ans Tageslicht gekommen.
Tochter in Wohnung geschleppt
Die Frau berichtete bei ihrer Aussage, dass Josef F. mit ihr gemeinsam die erkrankte 19-jährige Tochter vom Verlies in die Wohnung geschleppt habe. Die 19-Jährige wurde am 19. April ins Krankenhaus gebracht, Elisabeth F. habe zunächst wieder zurück in das Verlies müssen.
Anteilnahme der Regierung
Die Bundesregierung hat im Ministerrat ihre unbedingte Anteilnahme mit den Opfern des Inzest-Falls von Amstetten demonstriert. Angesichts der "unfassbaren und entsetzlichen Vorkommnisse" und der "Verwerflichkeit und Schwere des Verbrechens" seien viele Menschen zurecht sprachlos, erklärte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S). Die Bundesregierung reagiere mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.
Kritik an Opferanwalt
Kritik gab es an der Bestellung des Opferanwalts, Christoph Herbst. Die in Opferschutz-Arbeit erfahrene Juristin, Eva Plaz, sei offenbar "ausgebootet" worden, berichtete der "Weiße Ring". Plaz wurde gut informierten Kreisen zufolge bereits am Montag der Bezirkshauptmannschaft als rechtlicher Beistand für die Kinder bzw. Enkel von Josef F. vorgeschlagen. Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (V) bot der Familie jedoch Christoph Herbst als Opferanwalt an und kündigte an, diesen auch finanzieren zu wollen.
24 Jahre in Gefangenschaft
Am vergangenen Sonntag war in Amstetten das abscheuliche Verbrechen bekanntgeworden: In einem Verlies soll der 73-Jähriger seine Tochter 24 Jahre lang gefangen gehalten und sexuell missbraucht haben. Während der Gefangenschaft dürfte der Mann mit der 42-Jährigen sieben Kinder gezeugt haben, eines von ihnen sei nach der Geburt gestorben. Das Baby habe der Mann in einem Holzofen verbrannt. Josef F. habe sich zu den Tathandlungen weitgehend geständig gezeigt.
(apa/red)
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