Mittwoch, 30. April 2008

"Entscheidender Beweis wurde geliefert":
DNA-Test bestätigt sechsfache Vaterschaft

  • Auch Spuren des 73-Jährigen auf gefälschten Briefen
  • Josef F. wurde Haftrichterin in St. Pölten vorgeführt

Der entscheidende Beweis zur Überführung des mutmaßlichen 73-jährigen Täters im Amstettner Inzest-Fall wurde geliefert. Das Ergebnis der DNA-Probe vom Verdächtigen liegt vor: "Alle sechs Kinder der 42-jährigen (Elisabeth F., Anm.) sind eindeutig vom 73-jährigen Josef F.", sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ) bei einer Pressekonferenz. "Damit bestätigte sich etwas, dass wir immer schon angenommen und vermutet haben", so Polzer.

Immer wieder soll Josef F. seine Ehefrau und die Behörden damit getäuscht haben, indem er angebliche Briefe seiner verschollenen Tochter Elisabeth F. vorgelegt hat. Jetzt beweist eine DNA-Spur auf dem vorletzten Brief, den der 73-Jährige der Polizei übergab, dass dieser nicht von der 42-jährigen Tochter stamme, sondern eindeutig von Josef F. angefertigt worden sei. Die Spuren des Verdächtigen wurden auf Briefmarke und Klebestreifen des Kuverts gefunden, sagte Polzer.

Bei den Behörden habe Josef F. angegeben, den Brief per Post von seiner Tochter bekommen zu haben. "Mit Poststempel aus Oberösterreich", sagte Polzer. Darin sei angeführt gewesen, dass die Tochter allmählich eine Chance sehe, innerhalb des nächsten halben Jahres wieder zu ihrer Familie zurückzukehren. Sie wolle dabei die Kinder, einen 18-Jährigen und einen Fünfjährigen mitnehmen.

Hinweis aus dem engen Umfeld
In der ZiB2 bestätigte Polzer, dass der Hinweis, der zur Verhaftung der 42-jährigen Tochter führte, aus dem engen Umfeld der Familie stammt. Zu diesem Zeitpunkt nahm die Polizei an, dass die Abgängige sich in einer "sektenartigen" Umgebung aufgehalten habe, und um ein weiters Verschwinden zu verhindern, wurde sie auf die Polizeistation mitgenommen, so Polzer. Dort kam es zur überraschenden Wende des Falles, als Elisabeth F. von ihrem unglaublichen Martyrium erzählte. Erst dann wurde ein Haftbefehl gegen den Vater erlassen.

"Kein weiteres Versteck"
Polzer verwies darauf, dass aufgrund von Hinweisen auch fünf weitere Liegenschaften des Verdächtigen durchsucht worden seien. Dabei habe man aber keine weiteren Funde gemacht. "Es gibt kein weiteres Versteck", sagte Polzer, der davon sprach, dass die Durchsuchung "eher aus Routine" geschehen sei. Trotz der enormen Umtriebigkeit des Mannes sei "eine dritte Schiene" unwahrscheinlich, auch angesichts des Aufwandes des Doppellebens des Mannes.

Ins Visier nahmen die Spurensicherer nicht nur das von F. angelegte Verlies, sondern auch den "offiziellen Lebensbereich" des 73-Jährigen: "Vielleicht gibt es dort Indizien darauf, dass der Mann nicht nur ein offizielles Leben oben im Haus, sondern auch das doppelte Leben unten geführt hat", so Polzer. Jeder einzelne Gegenstand werde für das Gerichtsverfahren festgehalten und dokumentiert. Rätsel gebe vorerst auch die verborgene Tür zu dem Gefängnis auf. Man habe Spezialisten des Bundeskriminalamtes hinzugezogen, Es gelte zu klären, wie der Verdächtige diese "sehr aufwendige Konstruktion" hergestellt habe.

Der Haftrichterin vorgeführt
Josef F. wurde in St. Pölten der Haftrichterin vorgeführt. Vor der Richterin gab sich der Verdächtige schweigsam und äußerte sich nicht zu den Verbrechen, die ihm vorgeworfen werden. Es wurde die U-Haft über F. verhängt, so der erste Staatsanwalt von St. Pölten, Gerhard Sedlacek. F. nahm sich in Absprache mit seinem Anwalt Bedenkzeit. Unklar ist noch, wegen welcher Delikte Anklage gegen F. erhoben werden kann, meinte Sedlacek. Insgesamt rechnete der erste Staatsanwalt mit einer "nicht unbeträchtlichen Verfahrensdauer" von mehren Monaten. Staatsanwältin ist Christiane Burkheiser.

Ob die Angehörigen überhaupt von der Staatsanwaltschaft einvernommen werden können, ist unklar. Zuerst müssen die Betreuer "grünes Licht" für eine Befragung geben. Zu Vorhaltungen, bei den weggelegten Kindern keine DNA-Analyse durchgeführt zu haben meinte der Amstettner Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze: "Wir haben an Verwandtschaftsverhältnissen nicht gezweifelt". Er verwies zudem darauf, dass die DNA-Analyse in den 90er Jahren noch in den Kinderschuhen steckte.

Zustand der Tochter weiter ernst
Der Zustand der 19-Jährigen Tochter im Krankenhaus Amstetten war weiter ernst. Laut Primarius Albert Reiter werde sie künstlich beatmet und liege im künstlichen Tiefschlaf. Er sprach von einer "kleinen leichten Besserung mit gewisser Stabilität".

Ein möglicher Verdacht gegen die 68-jährige Ehefrau des 73-jährigen Beschuldigten habe sich in "keinster Weise" gezeigt. Auch seien verdächtige Gegenstände in der Wohnung nicht gefunden worden, was für das inszenierte Doppelleben spreche.

Urlaub im Bereich des Möglichen
Angesprochen auf einen möglichen Urlaub des Verdächtigen meinte Polzer, dass dies möglich gewesen wäre. Im Verlies befand sich ein Lagerraum, wo genug Nahrungsmittel über eine längere Zeit deponiert werden hätten können. (apa/red)

30.4.2008 08:04