Hürdenmarathon für Kanzler Gusenbauer:
SPÖ-Chef kämpft gegen schlechtes Image
- Plus: Sinkende Mitgliederzahlen, Kritik aus Ländern
- NEWS über "rote Probleme" und offene Baustellen
·SPÖ: Mitgliederzahl auf neuem Tiefststand
Grafik: Die Zeiten Bruno Kreiskys sind vorbei

Schlechte Umfragen, schlechtes Kanzler-Image, schwache Landesorganisationen und sinkende Mitgliederzahlen: Alfred Gusenbauer muss an mehreren Baustellen gleichzeitig schaufeln. Der Befund der roten Studentin fällt vernichtend aus: "Die Partei befindet sich in einer tiefen Krise. Die Mitglieder sind desillusioniert. Die Menschen wenden sich von der SPÖ ab. Wir haben sinkende Mitgliederzahlen. In Graz und Niederösterreich gab es desaströse Ergebnisse. Das alles lässt für die nächste Nationalratswahl das Schlimmste befürchten." Die Wiener VSStÖ-Chefin Eva Maltschnig fordert deshalb: "Um diese Partei zu retten, müssen wir raus aus der Koalition."
Ihre Analyse beim Wiener SP-Landesparteitag teilen viele ihrer Parteifreunde, die Schlussfolgerung allerdings nicht. Doch auch Bundesgeschäftsführer Josef Kalina räumt ein: "Wenn man viel unterwegs ist, merkt man: Wir haben mit unseren Ergebnissen die Herzen der Menschen nicht erreicht. Die Kluft zwischen der real erzielten Bilanz in der Regierung, also den echten sozialen Verbesserungen, und der gefühlten Bilanz ist groß."
Baustelle: Image im Keller
Die Enttäuschung bekommt der rote Parteichef direkt zu spüren. Noch nie hatte ein Bundeskanzler so schlechte Umfrage- und Vertrauenswerte wie Alfred Gusenbauer, und längst schlagen diese auf die Partei durch. Spätestens seit dem "Gesudere"-Sager war Feuer am Dach, Gusenbauer musste reagieren. Die engsten Getreuen hatten ihm klar gemacht, dass er so nicht weitermachen konnte.
Seine folgende Tour durch die Bezirke, wo er sich teils heftige Vorwürfe anhören musste, machte sich schon vor den Wiener Parteitagsdelegierten bezahlt. Dort gestand Gusenbauer einmal mehr "Fehler" ein und verlangte "Geschlossenheit", die einstige Tugend der SPÖ. Rückendeckung bekam er auch auf offener Bühne vom "Hausherrn", Bürgermeister Michael Häupl: Man habe sich "in Teufels Küche" gebracht, als man bei jeder nicht gleich umgesetzten Forderung "Verräter" schrie. Spät, aber doch, kurz vor dem traditionellen 1.-Mai-Aufmarsch also, versuchte man in der SPÖ, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber ob das wirklich reichen wird?
Baustelle: SPÖ-Länder
Entscheidend werden die Verhandlungen zur Steuerreform sein. Fällt die Beurteilung am Ende schlecht aus, so ist abzusehen, dass sich der ganze Frust darüber wieder über dem Parteichef entlädt. Und am schärfsten werden jene urteilen, die selbst mit Problemen kämpfen. Schließlich haben einige SP-Landesorganisationen Baustellen offen: In allen Bundesländern, die als Nächste wählen, weisen die Umfragen derzeit Verluste für die SPÖ aus.
Baustelle: Mitgliederzahlen
Und auch die Parteiorganisation ist geschwächt. Der Mitgliederstand hat mit 268.597 einen historischen Tiefststand erreicht. Die Mitglieder werden älter und brechen weg, zu wenige Junge rücken nach. Gusenbauer wird sich etwas einfallen lassen müssen, um wieder in die Offensive zu kommen. Doch darin hat er Übung. Bisher jedenfalls gelang ihm, gegen alle Vorhersagen, schon mehrfach der Turnaround.
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