Europäische Staatsoberhäupter in Graz:
EU-Fahne aber bei Treffen unerwünscht
- Staatspräsidenten geben sich beim Gipfel wortkarg
- "Perspektiven im Lichte des Vertrags von Lissabon"

Das erste Treffen der acht EU-Staatspräsidenten in der Grazer Burg verlief in amikaler Atmosphäre: Der in der steirischen Landeshauptstadt geborene österreichische Bundespräsident Heinz Fischer übernahm kurzfristig von Landeshauptmann Franz Voves die "Hausherren"-Rolle und hieß sechs Kollegen und eine Kollegin in der Steiermark willkommen. Nach kurzem Smalltalk postierten sich die Staatsoberhäupter von Finnland, Polen, Lettland, Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn und Portugal vor ihren Landesflaggen zum Gruppenbild im Weißen Saal der Burg - allein die blaue EU-Fahne fehlte.
LH Voves hatte am Flughafen Thalerhof die sieben Staatspräsidenten begrüßt: "Ich bin dem Bundespräsidenten sehr dankbar, dass er seine Geburtsstadt Graz für dieses Treffen ausgewählt hat." Kurz darauf hatten Fischer und seine Ehefrau Margit ein Mittagessen mit einem Gespräch mit der finnischen Staatschefin Tarja Halonen und deren Ehemann Pentti Arajärvi im Grand Hotel Wiesler. Im Verlauf des zweitägigen Treffens soll es zu weiteren bilateralen Gesprächen zwischen den Staatschefs von Lettland, Valdis Zatlers, und seinen Amtskollegen aus Polen, Lech Kaczynski, sowie Ungarn, Laszlo Solyom, kommen.
Kaczynski benötigt Dolmetscher
Später erschien bei leichtem Nieseln der Bundespräsident in der Burg und hieß als erste seine finnische Kollegin Halonen willkommen, einige Minuten später traf Portugals Anibal Cavaco Silva ein, gefolgt vom polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski. Dann erschienen der ungarische Präsident Solyom und Lettlands Valdis Zatlers. Halonen war zu diesem Zeitpunkt nicht die einzige Frau in der Männerriege - Kaczynski bediente sich im Gespräch einer Dolmetscherin.
Bis zum Eintreffen der Staatsoberhäupter Italiens, Giorgio Napolitano und Deutschlands, Horst Köhler, bildeten sich zwei Präsidenten-Gruppen im Smalltalk: eine baltische mit Polen und Finnland und eine mitteleuropäische mit portugiesischer Beteiligung. Napolitano wurde von allen Amtskollegen mit großer Herzlichkeit und Respekt begrüßt.
Keine Aussagen von Fischer
Anschließend ging es in die erste Arbeitssitzung zum Thema "Europäische Perspektiven im Lichte des Vertrags von Lissabon", allerdings gab es zuvor trotz des großen internationalen Journalistenaufgebotes keine Aussagen von Präsident Fischer. Auch zu einer "Kamerarunde" im Tagungssaal war niemand zugelassen.
Während der Arbeitstagung besuchten die Partner bzw. Partnerinnen der Staatsoberhäupter das weststeirische Lipizzanergestüt Piber. Nach der Tagung stand ein Besuch des Kunsthauses - der so geannten "Blauen Blase" - auf dem Programm, bevor es zum viergängigen steirischen Diner ins Schloss Eggenberg ging. (apa/red)
