Nur Unschuldslämmer im Hooligan-Prozess:
Angeklagte bekennen sich "nicht schuldig"
- 22 Beschuldigte waren "zum Teil stark alkoholisiert"
- Kreative Aussagen nach Konfrontation mit Fotos

22 Hooligans aus Linz und Graz haben sich im Bezirksgericht Ost in Graz wegen einer wilden Rauferei und Sachbeschädigungen am 9. Juni 2007 nach dem Regionalligamatch Sturm Amateure gegen Blau-Weiß Linz verantworten müssen. Alle der zum Großteil vor den Kameras mit Kapuze und Brille "getarnten" Angeklagten bekannten sich "nicht schuldig" und sagten aus, weder jemanden verletzt noch selbst verletzt worden zu sein. Der Prozess wurde vertagt.
Von den 22 Männern erschien zu Verhandlungsbeginn erst nur ein Teil. Sechs "Nachzügler" aus Linz kamen rund eine Stunde zu spät. Allein die Datenerfassung der Beschuldigten - denen unter anderem schwere Körperverletzung angelastet wird - zog sich über mehr als eine Stunde. Bei den Aussagen zeigten sich die Männer im Alter von 20 bis 36 Jahren schweigsam bis kreativ.
Sie gaben an, niemand Verletzungen zugefügt zu haben, auch nicht verletzt worden zu sein oder sich an nichts mehr zu erinnern. Viele von ihnen waren zum Zeitpunkt der Rauferei zum Teil schon stark alkoholisiert.
"Cobra" musste eingreifen
Bereits während des Matches - das 2:0 für die Sturm Amateure ausging - hatten Grazer Hooligans den Fan-Sektor der Linzer zu stürmen versucht. Nach dem Spiel waren dann die "Fans" vor der "Gruabn" im Bezirk Jakomini zum Teil auf dem Spielfeld aufeinander losgegangen und hatten die anrückenden Polizeieinheiten angegriffen. Zum Schluss musste sogar die Spezialeinheit "Cobra" dazwischen gehen.
Bilder von den Videoaufzeichnungen zeigten die Angeklagten bei gewalttätigen Handlungen. Die Angeklagten verharmlosten die Taten jedoch nach Ansicht der Fotos und meinten, "ausgerutscht" zu sein oder einem anderen am T-Shirt gezogen zu haben, weil er ihm "aufhelfen" wollte. Die ideenreichen Angaben der jungen Männer sorgten bei den anderen für Heiterkeit, worauf die Richterin meinte, man werde am Ende des Prozesses noch sehen, wer lache.
Nicht die üblichen Beteiligten
Unter den Beschuldigten befinden sich nicht nur die bei Raufereien vor und nach Fußballmatches üblichen Beteiligten, sondern auch Vertreter durchaus bürgerlicher Berufsbilder: Einer ist Geschäftsführer eines Fassadenbauunternehmens, weiters finden sich auch ein Student, ein Zahntechniker und ein Krankenpfleger auf der Gerichtsbank. Wegen der großen Zahl der Beschuldigten musste man vom eigentlichen Verhandlungssaal in die Auktionshalle des Bezirksgerichts ausweichen.
Beim noch nicht festgelegten neuen Termin will Richterin Neudeck sowohl ein Beweisvideo zeigen als auch Verletzte, Polizisten und weitere Zeugen anhören.
(apa/red)
