Dienstag, 29. April 2008

Dem Grund für Dauer-Erektion auf der Spur:
Penis bis zu 3 Stunden durchgehend erigiert

  • Botenstoff "Adenosin" wird unzureichend abgebaut
  • Langzeitfolge ist der Verlust der Erektionsfähigkeit

Per Zufall haben amerikanische Wissenschafter möglicherweise den grundlegenden Mechanismus für stundenlange krankhafte Dauer-Erektionen entdeckt, den sogenannten Priapismus. Bei Versuchen mit Mäusen identifizierten die Forscher eine Substanz, die eine wichtige Rolle bei der Erektionsfähigkeit des Penis spielt.

Das sogenannte Adenosin ist ein Botenstoff, der im Penis offenbar zur Erschlaffung der Blutgefäße und so zu einer besseren Durchblutung der Schwellkörper führt. Deshalb könne Adenosin grundlegend an Priapismus beteiligt sein, eine Erkrankung, bei der es ohne sexuelle Erregung zu Dauererektionen von mehr als drei Stunden kommt.

Diese Entdeckung gelang dem Berufsverband Deutscher Internisten eher zufällig bei der Untersuchung genetisch veränderter Mäuse, denen ein Enzym zum Abbau von Adenosin fehlte. Die Geschlechtsteile der männlichen Mäuse seien dauerhaft erigiert gewesen. Verschiedene Gewebeuntersuchungen ergaben schließlich eine Anreicherung des Adenosins im Penis - was offenbar zu den langanhaltenden Erektionen führte. Versorgten die Forscher die Mäuse dagegen mit dem abbauenden Enzym, verschwanden auch die Erektionen.

Ursache meist unbekannt
Beim Mensch kann Priapismus unter anderem durch Leukämie, Sichelzellanämie, Entzündungen des Penis sowie Penis- oder Prostatakrebs ausgelöst werden, auch manche Medikamente können für diesen Zustand verantwortlich sein. In den meisten Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt. Bei den Erektionen kommt es weder zu einem Samenerguss noch zu einem Orgasmus. Die Erkrankung verändert mit der Zeit das Penisgewebe und führt zu einem unwiderruflichen Verlust der Erektionsfähigkeit.

Die Studie liefere wichtige Ansatzpunkte für eine Behandlung des Priapismus, denn es gebe starke Hinweise darauf, dass Adenosin auch beim Menschen die Erektionsfähigkeit reguliere. Wenn es in vergleichbarer Weise gelänge, das Adenosin-abbauende Enzym zu blockieren, könne dies eine Alternative zu den bisher verfügbaren Medikamenten darstellen. (apa/red)

29.4.2008 12:39