Natascha Kampusch im Interview mit NEWS:
"Enttäuschung über Behörden gesteigert"
- Nimmt zu neuen Gerüchten in ihrem Fall Stellung
- Geheime Akten-Details gerieten an die Öffentlichkeit

Geheimakte Kampusch. Die falschen Gerüchte, die echten Beweise.
Es könnte jetzt alles auch ganz anders sein
Was, wenn Wolfgang Priklopil nach Natascha Kampuschs Flucht nicht Selbstmord begangen hätte? Sondern verhaftet, verhört und ihm ein Prozess gemacht worden wäre?
Der Täter und auch das Opfer hätten dann ausführlich reden müssen. Über Details zu dem grauenvollen Verbrechen. Und was, weiters, wenn die junge Frau nach ihrer Befreiung konformer, der allgemeinen Erwartungshaltung entsprechend, agiert hätte? Wenn sie vielleicht bloß einmal wie die Mädchen, die von Marc Dutroux gepeinigt wurden öffentlich Auskunft zu der Tragödie, dabei lediglich Wortfetzen von sich gegeben, sich als völlig zerstörtes Wesen gezeigt, und (vor allem) nicht mit ihren Aussagen Geld gemacht hätte?
Viele Rätsel. Das Mitleid der Menschen wäre ihr bis dato sicher, sie wäre keinem absurden Neid ausgesetzt und sollte es noch Geheimnisse um die Wahnsinnstat geben, so würde wahrscheinlich niemand nach ihnen graben. Doch der Fall Natascha ist eben ganz anders. Wolfgang Priklopil war bereits tot, als die Vernehmungen mit Kampusch begannen. Psychiater, Anwälte, Berater standen ihr schnell zur Seite. Für die Kripo gab es damit kaum Möglichkeiten, das Opfer umfassend zu befragen, und nicht zuletzt wurden auch hinsichtlich der Tatsache, dass es ohnehin niemals ein Gerichtsverfahren gegen ihren Peiniger geben würde, tiefer gehende Erkundigungen bewusst ausgespart. Natascha sprach somit nur über Dinge, über die sie sprechen wollte.
Genauso wie in den Interviews, die sie gab. Hübsch und anmutig anzusehen, gut gekleidet, saß sie dann da, formulierte ihre Sätze in einer beinahe aristokratischen Ausdrucksweise. Vermittelte damit nur den genauesten Beobachtern das Bild von einer Gepeinigten. Und erzählte nur wenig von ihrem achteinhalb Jahre andauernden Martyrium. Viele Rätsel zu dem Verbrechen blieben damit ungelöst. Die logische Folge: Spekulationen. Und freilich war es nur eine Frage der Zeit, bis tatsächlich vorliegende Fakten in einem verwirrenden Konglomerat aus Fiktion und Realität nach außen drangen. Noch mehr, nachdem die Causa schließlich zum Politikum geworden war.
Priklopil dürfte wahrscheinlich Mittäter gehabt haben, heißt es nun, Nataschas Mutter sei ein Mitglied der kriminellen Gruppe gewesen, der Peiniger habe in der Sadomaso-Szene verkehrt. Kampusch sei außerdem von ihrem Kidnapper schwanger gewesen, die Suche nach dem getöteten? Kind sei aber niemals von der Polizei angegangen worden. Und sowieso sollen die Fahnder wichtiges Beweismaterial verschwinden haben lassen. Vorwürfe, die in den Raum gestellt wurden und bis dato stehen blieben, weil über sämtliche einst mit den Erhebungen befassten Beamten eine Auskunftssperre verhängt wurde.
Wer aber ist der Verräter? Wo ist er zu suchen? Bei der Staatsanwaltschaft? Im Parlament? Im BKA? Fest steht nur: Jener Tippgeber, der nun Medien mit Informationen versorgt, verfügt zweifellos über Aktenmaterial zu dem Fall. Jedoch lediglich über unzureichendes. Über Protokoll-Fragmente, über einige Aussagen, allerdings nicht über letztendlich gültige Erhebungsergebnisse und Abschlussberichte. Was sind reine Fantasiegespinste, was Halbwahrheiten? Was ist Gewissheit? NEWS wirft die zehn brennendsten Fragen zu der brisanten Causa auf und bringt die Antworten.
Das ganze Dossier finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin!
