Mittwoch, 23. April 2008

NEWS zitiert aus Anklageschrift im Mon- Chéri-Krimi: Staatsanwalt Rast im Wortlaut

  • Gift-Drama: Täter wird versuchter Mord vorgeworfen

Die Anklageschrift im Wachauer Mon-Cheri-Krimi. Plus: Die Verteidigungsstrategie von Helmut Osberger.

Helmut Osberger hat am 8. 2. 2008 in Spitz vorsätzlich versucht, Dr. Hannes Hirtzberger mit Strychnin zu töten“ – mit diesem Satz auf Seite eins der NEWS exklusiv vorliegenden Anklageschrift gegen den 56-jährigen Verdächtigen macht die Staatsanwaltschaft Krems klar, was sich Verteidigung und Gericht am 19. Mai beim Prozess erwarten dürfen. Auf sieben Seiten sind die Ermittlungserkenntnisse zusammengefasst. Top-Verteidiger Nikolaus Rast sieht einen Indizienprozess auf sich und seinen Mandanten zukommen. NEWS zitiert aus der Anklageschrift die wichtigsten Punkte. Für Helmut Osberger gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Die Tat. „Am 8. 2. 2008 entschloss er sich zur Ausführung der Tat. Er fuhr vorerst nach Krems, um Einkäufe zu tätigen. Um zirka 18.20 Uhr und 19.00 Uhr deponierte er das Billett mit dem mit Strychnin vergifteten Mon Chéri am Pkw des Dr. Hirtzberger, welcher zu diesem Zeitpunkt auf dem Gemeindeamt in Spitz Sprechstunden abhielt, was allgemein bekannt war.“ Hannes Hirtzberger fand das Billett mit der Praline nach seiner Sprechstunde, konsumierte es nicht sofort, sondern erst am nächsten Tag: „Dr. Hirtzberger nahm am 9. 2. 2008, nachdem er gemeinsam mit seiner Gattin laufen ­ge­wesen war, ein Frühstück zu sich, konsumierte dann das Mon Chéri und wollte mit seinem Pkw nach Krems in seine Kanzlei fahren. Unterwegs begann das Gift zu wirken. Er fuhr zum Haus seines Freundes Emmerich Knoll in Unterloiben, wo er gerade noch seinen Pkw anhalten und zwei dort ­zufällig anwesende Frauen ersuchen konnte, einen Arzt zu verständigen, wobei er diesen mitteilte, dass er mit einem Mon Chéri vergiftet worden sei. Sodann wurde er bewusstlos, die Atmung setzte aus.“

Das Gift. „Strychnin ist ein Alkaloid, das in der Natur in Pflanzen, vor allem in Früch­ten von Pflanzen, vorkommt. Es ist stark toxisch, wobei in der Literatur für Erwachsene 30 mg als geringste beobachtete töd­liche Dosis angeführt wird. Strychnin stellt farblose rhombische Kristalle dar, die luftbeständig und geruchlos sind, aber einen außerordentlich bitteren Geschmack aufweisen. Die ers­ten Vergiftungserscheinungen treten in einigen Fällen nach wenigen Minuten, aber manchmal auch erst später auf. Der Tod des Vergifteten tritt häufig innerhalb von 15 bis 20 Mi­nuten nach Zufuhr des Giftes, in 50 Prozent der Vergifteten ­innerhalb der zweiten oder dritten Stunde und nur in Aus­nahmefällen erst nach 6 bis 7 Stunden ein.“ Fakt ist, dass Hannes Hirtzberger mit insgesamt 700 mg Strychnin vergiftet wurde – das ist höher als die 20fache tödliche Dosis.

Das Motiv. Der Heurigenwirt plante einen Umbau seines Betriebes in ein Thermalhotel. Nach einem Schriftverkehr mit der Marktgemeinde Spitz soll er sich in seinem Vorhaben behindert vorgekommen sein. Die Staatsanwaltschaft: „Die Grundstücke des Helmut Osberger dienen als Sicherstellung für Kredite in der Gesamthöhe von EUR 1.347.437,20 (ON 83). Die Kredite könnten dadurch abgedeckt werden. Helmut Osberger war nicht imstande, aus seinen Einnahmen (nach seinen eigenen Angaben EUR 2.500,– monatlich) die Kredite abzudecken. Auch die Zinsen konnte er nur sporadisch bezahlen. Diese finanziell missliche Situation wäre sofort mit der Umwidmung einiger Grund­stücke in Bauland und eventuellem Verkauf derselben behoben gewesen.

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23.4.2008 14:43