Mittwoch, 23. April 2008

Michael Häupl, der stärkste Rote

  • "Für die SPÖ wird es kein Knittelfeld geben"

Marathon. Seit 15 Jahren führt Michael Häupl die Wiener Roten. Und zieht seither in der SPÖ die Fäden – in Aufbau oder Demontage des Ersten.

Nur einer war länger Wiener Bürgermeister, nur einer länger Wie-ner SPÖ-Vorsitzender. Aber nächstes Jahr holt Micha­el Häupl auch Franz Jonas ein. Vor 15 Jahren übernahm er die „neben der niederösterreichischen ÖVP wahrscheinlich schlagkräftigste Parteiorganisation des Landes“, wie Politologe Peter Filzmaier attestiert. Auch wenn sie, die einst rund 200.000 Mitglieder hatte, heute nur noch halb so stark ist.

Als er am 24. April 1993 ­antrat, das Erbe des mächtigen Hans Mayr zu übernehmen, galt er dem grünen Konkur­renten Peter Pilz noch als „der brave Bua vom Mayr“. Und auch die Schuhe des populären und allgegenwärtigen Helmut Zilk schienen anfangs, im Jahr nach dem Parteivorsitz, noch riesengroß. Zweieinhalb Jahre später hatte Häupl eine bittere Niederlage zu verdauen: den erstmaligen Verlust der absoluten Mandatsmehrheit im „roten Wien“. Daraus allerdings zog er umgehend die Konsequenz, verpasste der Parteiorganisation eine etwas modernere Struktur, förderte systematisch Frauen und Nachwuchs, holte mit dem legendären Politik- und Wahlkampfberater Stanley Greenberg amerikanisches Know-how nach Wien – und konnte ab 2001 wieder bequem allein in Wien regieren.

Königsmacher. Spätestens nach seinen heftigen Reibereien mit dem damaligen Kanzler Franz Vranitzky und seinen „Königsmacher“-Diensten für Viktor Klima, an denen er später noch schwer laborieren sollte, wurde Häupl zum starken Mann in der SPÖ. Zuletzt erprobte er die Rol­le in der Rückendeckung, die er „meinem Bundesparteivorsitzenden“ Alfred Gusenbauer im heftigen Kritikerhagel aus der eigenen Partei gab.

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23.4.2008 15:25