Samstag, 26. April 2008

Wird gegen Siemens-Chef Pierer ermittelt?
Staatsanwaltschaft prüft alle Unterlagen

  • Entscheidung wird für die nächsten Tage erwartet
  • Fragwürdige Provisionszahlungen bei Großauftrag?

In der deutschen Siemens-Schmiergeldaffäre hat die Staatsanwaltschaft München erstmals bestätigt, dass Ermittlungen gegen den früheren Konzernchef Heinrich von Pierer geprüft werden. Nach einem vorangegangenen Gespräch bei der Staatsanwaltschaft hatte Pierers Anwalt Sven Thomas den Ermittlern umfangreiche Unterlagen überreicht. "Wir werten den Schriftsatz aus und prüfen, ob Ermittlungen gegen von Pierer einzuleiten sind", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der Deutschen Presse-Agentur dpa in München.

Eine Entscheidung sei in den nächsten Tagen zu erwarten. Bisher hatte sich die Staatsanwaltschaft nicht dazu äußern wollen, ob Pierer zum Beschuldigten in dem Korruptionsskandal werden könnte und die Frage nach einem möglichen Ermittlungsverfahren offen gelassen.

Pierer war in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck geraten. Ein Manager des früheren Siemens-IT-Dienstleisters SBS soll nach Medienberichten bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, Pierer habe ihn und einen Kollegen angehalten, fragwürdige Provisionszahlungen im Zusammenhang mit einem Großauftrag in Argentinien in Höhe von zehn Millionen Dollar (6,41 Mio. Euro) vorzunehmen. Pierer hatte dies zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert. Nun solle der dritte damals anwesende Siemens-Manager als Zeuge der Situation befragt werden, hieß es in einem "Focus"-Bericht. (apa/red)

26.4.2008 16:41