Inflation senkt die Kaufkraft: In Zukunft können wir uns alle noch weniger leisten
- Sorgenkind Inflation: Die Teuerung steigt rasant an
- FORMAT: Derzeit spricht nichts für eine Entspannung

·Bartenstein: 'Lage ist Besorgnis erregend'
FORMAT: Was er von autofreien Tagen hält
·Ein Preisschock jagt zurzeit den nächsten
Inflation in Österreich auf 3,5 Prozent verschärft
Sinkende Realeinkommen, steigende Nahrungsmittelpreise, sündhaft teure Autofahrten: Die Schlagzeilen auf den Wirtschaftsseiten werden immer pessimistischer. Mit 3,6 Prozent ist die März-Inflation in der Euro-Zone so hoch wie noch nie seit der Einführung der Gemeinschaftswährung. In Österreich liegt die Teuerungsrate bei 3,5 Prozent. Und das wird auch so bleiben. "Nichts spricht für eine Entspannung", stellt IHS-Experte Ulrich Schuh nüchtern fest.
Die Energiepreise schießen aufgrund knapper Erdölreserven weiter empor, die Preise für Nahrungsmittel erreichen infolge der zunehmenden Nachfrage aus bevölkerungsstarken Ländern wie China und Indien neue Dimensionen. Allein in den letzten zwölf Monaten sind die beiden Haupttreiber der Inflation, Nahrung und Treibstoffe, europaweit um acht beziehungsweise dreißig Prozent gestiegen.
Realeinkommen sinken
Die Inflation steigt stärker als die Löhne, damit sinken die Realeinkommen. Um wie viel weniger werden sich die Österreicher infolge der erschreckenden Teuerungsrate leisten können? Wie stark wird die Wirtschaft generell darunter leiden? Das sind derzeit die wirtschaftspolitischen Leitfragen. Tatsache ist, dass die Reallöhne hierzulande im Abnehmen begriffen sind, also die Kaufkraft der Menschen sinkt. "Die Inflation zieht mittlerweile stärker an als die Löhne, die Menschen können sich daher weniger leisten", sagt IHS-Volkswirt Schuh. Auch Wifo-Experte Markus Marterbauer bestätigt diese Entwicklung.
Zumindest um ein Prozent werden die realen Einkommen - nach Abzug der Inflation - im laufenden Jahr sinken, sind sich die meisten Wirtschaftswissenschaftler einig. Wer 35.000 Euro brutto im Jahr verdient, verliert demnach 350 Euro an Kaufkraft. Die Inlandsnachfrage wird in der Folge sinken.
Run auf Diskonter
Der Einfluss auf das Konsumverhalten ist bereits spürbar, zum Beispiel in der Automobilindustrie. Die Leute kaufen verstärkt kleinere Autos mit niedrigem Spritverbrauch. Im Lebensmittelhandel ist ein zunehmender Run auf preisgünstige Diskonter zu erwarten, worunter andere Handelsketten leiden dürften. Und im Haushalt ist plötzlich das Stromsparen in Mode gekommen.
Grund zur Panik bestehe aber keine, erklären die Fachleute mit Blick auf die Historie: "Wir hatten Schlimmeres." Mit 10,22 Prozent im Juli 1974 erreichte die Geldentwertung in Österreich ihren Nachkriegs-Höchststand. Der Auslöser war die Ölkrise: Um im Yom-Kippur-Krieg politisch Druck zu machen, drosselte das Ölkartell OPEC die Fördermenge. Binnen eines Jahres vervierfachte sich der Ölpreis auf mehr als zwölf Dollar pro Barrel (159 Liter). In der Folge kam es zu weltweiten Energiesparmaßnahmen, der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky führte autofreie Tage ein.
Lohn-Preis-Spirale
Mit Blick auf die bevorstehenden Lohnrunden im Herbst wird bereits vor einer drohenden Lohn-Preis-Spirale gewarnt. Hohe Lohnabschlüsse würden nämlich die Preise noch rascher ansteigen lassen - ein Dilemma. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein meint dazu: "Jetzt müssen alle Maß halten".
Der Lichtblick: Auf den österreichischen Außenhandel haben offenbar weder der starke Euro noch die Teuerungsrate großen Einfluss. 2007 betrug der Überschuss in der Leistungsbilanz satte 8,8 Milliarden Euro (plus 2,5 Mrd.), das sind 3,2 Prozent des BIP. Die Exporte brummen und können auch eine schwächere Inlandsnachfrage kompensieren. Fragt sich nur, wie lange noch.
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