822.000 Euro Abfindung? Hubers "Golden Handshake" löst Welle der Empörung aus
- Grüne: "Faymann soll sich nicht weiter verstecken"
- Huber: "Verstehe nicht, warum ich gehen musste"

·Aufsichtsrat: Im ÖBB-
Vorstand rollen Köpfe
Mit ÖBB-Boss Huber geht auch Finanzchef Söllinger
·Huber: Chronologie seiner ÖBB-Amtszeit
Dreieinhalb Jahre stand er an Spitze der Bahn
·Eisenbahn-Experte an Spitze der ÖBB
Peter Klugar soll die Bahnreform reformieren
·Stichwort: ÖBB gerät in heftige Turbulenzen
Alle Vorwürfe gegen die Vorstände im Überblick
·Einkommen in den staatsnahen Betrieben
GRAFIK: "Gagenkaiser" sind Vorstände der ÖBB
Der "Golden Handshake" für ÖBB-Boss Martin Huber lässt die Wogen hochgehen. Der zurückgetretene Bahn-Chef soll eine Abfindung von über 800.000 Euro kassieren. Die Opposition tobt. Huber war vor allem wegen privater Immobilien-Deals mit einem namhaften ÖBB-Vertragspartner in die Schusslinie geraten.
Auch Eisenbahner-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl nimmt die Bedingungen des Abgangs des scheidenden Generaldirektors zähneknirschend zur Kenntnis. Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker habe mit Huber einen "rechtsgültigen Vergleich abgeschlossen, der juristisch OK ist", so Haberzettl.
Die Arbeitnehmervertretung will in der nächsten Aufsichtsratssitzung eine Änderung der Geschäftsordnung des Aufsichtsrat beantragen, für die Eigentümervertreter gebe es "Aufklärungsbedarf". Die Beurteilung, ob Huber und Söllinger Verfehlungen im Sinn des Aktiengesetzes begangen hätten, überlasse er "den Juristen". Laut einem Rechtsgutachten des Aufsichtsrats hat es in diesem Fall eben dies nicht gegeben.
Haberzettl hatte zuletzt den "Golden Handshake" für Huber heftig kritisiert. Laut Medienberichten erhält Huber noch knapp 822.000 Euro von den ÖBB, davon über 300.000 Euro für einen bis Herbst 2009 laufenden Konsulentenvertrag. ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker hatte diese Zahlenangaben als "zu hoch" angesetzt bezeichnet.
Jährliches Bruttogehalt von 20 Lokführern
Die kolportierte Abfertigungssumme von 822.000 Euro entspricht in etwa dem jährlichen Bruttogehalt von rund 20 Lokführern, hieß es aus der Bahnbelegschaft. Demnach verdient ein Lokführer im vergleichbaren Alter wie Huber (48) ohne Zulagen 2.800 Euro Brutto.
Die Abgangsbedingungen des ebenfalls ausscheidenden Finanzchefs Erich Söllinger sind noch nicht ausverhandelt. Dass Söllinger ähnlich großzügige Abfertigungsbedingungen wie Huber vorfinden werde, ist für Haberzettl "nicht richtig. Herr Söllinger wird so behandelt wie alle anderen Angestellten der ÖBB auch."
"Verstehe nicht, warum ich gehen musste"
ÖBB-Chef Huber erklärte, dass er auf Grund unterschiedlicher strategischer Vorstellungen freiwillig die Bahn verlässt, nun liest sich das in einem Interview mit der Tageszeitung "Österreich " anders. "Ich verstehe bis heute nicht, warum ich gehen musste. Es waren drei Super-Jahre, die ich für die Bahn arbeiten durfte - aber leider geht`s so nicht weiter", wird Huber zitiert.
Und er gibt sich selbstbewusst: "Wir hatten Erfolge, wie sie vorher kein Bahnmanagement aufweisen konnte." Zu den umstrittenen Immobiliengeschäften im privaten Umfeld Hubers mit einem Großauftragnehmer der Bahn meinte der ehemalige Baumanager: "Ich habe ein reines Gewissen." Huber machte in dem Telefoninterview kein Hehl aus seiner Enttäuschung über die Ablöse, dem Bericht zufolge soll er zuletzt zehn Kilo abgenommen haben.
Die Grünen fordern Verkehrsminister Werner Faymann angesichts der Turbulenzen in den ÖBB auf, "sich nicht weiter zu verstecken, sondern vor den Vorhang zu treten". Sie wollen Faymann nun vor den parlamentarischen Rechnungshofausschuss zitieren. "Verkehrsminister Faymann drückt offenbar das schlechte Gewissen, wenn er den Ministerrat nur durch die Hintertür betritt. Offenbar ist er zu feige, öffentlich die hohen Konsulentenverträge für die zum Rücktritt gezwungenen ÖBB-Manager zu rechtfertigen", so der Grüne Werner Kogler
(apa/red)

