Buchinger will mit Preismonitoring Klarheit schaffen: Hoher Nahrungspreis hausgemacht
- Caritas-Direktor begrüßt Iniative des Sozialministers
- Erhöhte Fleisch-Nachfrage führt zu Verteuerungen

·EZB warnt vor neuen Preissteigerungen
"Inflationsaussichten mit
Aufwärtsrisiken behaftet"
·Ein Preisschock jagt zurzeit den nächsten
Inflation in Österreich auf 3,5 Prozent verschärft
·Die Teuerungen im Detail aufgeschlüsselt
Sprit und Lebensmittel stiegen am stärksten an
Das im Zuge der steigenden Lebensmittelpreise vielerorts geforderte Preismonitoring im Lebensmittelbereich, also die behördliche Überwachung der Preise, soll nun im Mai beginnen, kündigte Sozial- und Konsumentenschutzminister Erwin Buchinger in der ORF-Sendung "Im Zentrum" an. Man habe festgestellt, dass die Preissteigerung zum Teil "hausgemacht" sei, so Buchinger. Durch eine Beobachtung der Preise könnten nun die Ursachen für die Verteuerungen gesucht werden.
Konkret sollen jede Woche 30 Lebensmittel untersucht werden, sagte der Sozialminister. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) könne darüber hinaus von den Firmen Unterlagen verlangen, wie sie die Preise kalkulieren. Eine Preisobergrenze für Lebensmittel kann sich Buchinger allerdings nicht vorstellen: Eine Grenze "wäre theoretisch möglich, aber realpolitisch außerhalb des Vorstellungsvermögens". Der Minister appellierte hingegen an den Handel, nicht jede Preissteigerung bei Rohstoffen und seitens der Industrie an die Konsumenten weiterzugeben.
Die Idee des Preismonitorings wurde von Caritas-Direktor Michael Landau begrüßt. Er betonte, dass die Ärmsten am "stärksten betroffen" seien und der "Druck an den Rändern" der Gesellschaft steige.
Fischler: Fleischkonsum wächst
Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar, sieht den Grund für gestiegene Nahrungsmittelpreise in den großen Getreide-Missernten in Australien und der Ukraine. Außerdem sei die Nachfrage nach Fleisch gestiegen, für dessen Produktion mehr Getreide benötigt werde, sagte Fischler in der Diskussion. Für die Produktion eines Kilos Rindfleisch werden 12 Kilo Getreide benötigt, so Fischler. Für ein Kilo Hühnerfleisch seien zwischen 3 und 4 Kilo Getreide notwendig.
Nach Fischlers Meinung sind auch Spekulationen an den Rohstoffbörsen für den Preisanstieg verantwortlich. Mindestens 20 Prozent des Preisanstieges seien darauf zurückzuführen, so Fischler.
Dass die Erzeugung von Agrosprit für den Preisanstieg verantwortlich ist, glaubt Fischler nicht. Jährlich werden nur 2 Prozent der Getreideernte zu Biosprit verarbeitet, erklärte der ehemalige EU-Agrarkommissar. Seiner Meinung nach habe sich die EU "nicht vergaloppiert", als die Diskussion um den Agrosprit begonnen hat. Der Getreideüberschuss, der damals vorhanden war, sollte zur Spritherstellung verwendet werden.
Mehr Forschung in Spritherstellung
Angesichts der jetzigen Entwicklung sollte diese Idee allerdings überdacht werden, forderte Fischler. Es spreche nichts dagegen, Holz, Stroh und Abfälle für die Spritherstellung zu verwenden. Dafür müsse aber mehr geforscht werden. Die derzeitigen Ziele seien untern den "jetzigen Bedingungen nicht zu erreichen", so Fischler. Laut einer OECD-Studie müsste nämlich für eine europaweite 10-prozentige Beimischung die Hälfte der europäischen Getreidefläche verwendet werden.
Auch Buchinger forderte neuerlich ein Überdenken des Agrosprit-Einsatzes, denn langfristig führe diese Entwicklung in eine "Sackgasse". In dieselbe Kerbe stieß Landau: "Wir dürfen uns die vollen Tanks nicht mit leeren Tellern erkaufen". Auch der Caritas-Präsident forderte ein Überdenken des Agrosprit-Einsatzes. (APA/red)

