Pflegegeld-Misere: Caritas-Präsident Küberl fordert rasche Anhebung um ein Drittel
- Wünscht sich sofortige Abgeltung des Wertverlustes
- Buchingers Arbeitsgruppe liefert erste Ergebnisse

·Pflegekosten steigen bis 2030 sehr stark an
24-Stunden-Betreuung für Erwin Buchinger "gelöst"
Caritas-Präsident Franz Küberl fordert beim Pflegegeld eine sofortige Abgeltung des Wertverlustes seit seiner Einführung. AUßerdem soll die Beihilfe um ein Drittel aufgestockt werden. wäre auch die Voraussetzung gegeben, dass man heuer und das nächste Jahr mit dem Pflegegeld auskommen kann, sagte Küberl.
Ebenfalls eine Erhöhung - um zumindest ein Viertel - fordert der Präsident des Dachverbandes der Behindertenorganisationen, Klaus Voget. Er wünscht sich wie auch Küberl darüber hinaus eine jährliche Valorisierung. Probleme ortete Voget im Ö1-"Morgenjournal" auch bei der Pflegegeld-Einstufung einzelner Gruppen. So würden etwas Demenzkranke oft in viel zu niedrige Pflegestufen eingestuft. Der große Zeitaufwand für solche Pflegebedürftige werde nicht ausreichend berücksichtigt, sagte Voget.
Die Einstufungsproblematik ist ja eines der Problemfelder, mit denen sich die von Sozialminister Erwin Buchinger eingesetzte Arbeitsgruppe "Neugestaltung der Pflegevorsorge" beschäftigt. Der Ressortchef will im Ministerrat einen ersten Bericht der Arbeitsgruppe abliefern. In drei Unterarbeitsgruppen werden die Themen Finanzierung, Neugestaltung des Pflegegelds sowie Harmonisierung der in den Ländern unterschiedlichen Sachleistungen bearbeitet.
Buchinger: Wünsche "unrealistisch"
Buchinger hat der Forderung Küberls eine Absage erteilt. Derartige Forderungen seien "völlig unrealistisch", sagte Buchinger. Die Anhebung um ein Viertel, wie vom Dachverband der Behindertenorganisationen verlangt, würde allein 500 Millionen Euro kosten. Die Forderung nach einer besseren Einstufung von Demenzkranken wird von Buchinger hingegen unterstützt.
Der Bund gebe für das Pflegegeld in Österreich derzeit zwei Mrd. Euro pro Jahr aus, meinte Buchinger. Die geforderten kräftigen Erhöhungen könne es jedenfalls nicht geben. Zum Wunsch nach einer automatischen Valorisierung sagte der Sozialminister: "Dieser Wunsch ist verständlich, allerdings sind die wenigsten Sozialleistungen mit einer automatischen Wertanpassung versehen." In der Koalitionsvereinbarung mit der ÖVP sei für die laufende Legislaturperiode eine Anhebung des Pflegegeldes fixiert. Buchinger: "Ich strebe dafür den Termin 1. Jänner 2009 an, das ist mit dem Koalitionspartner aber noch nicht ausverhandelt." Zwei Prozent Erhöhung, wie beim letzten Mal, seien ihm dabei jedenfalls zu wenig.
Bei der Einstufungsproblematik, mit der sich eine von Buchinger eingesetzte Arbeitsgruppe "Neugestaltung der Pflegevorsorge" beschäftigt, zeigte sich der Minister gesprächsbereit. Die Arbeitsgruppe habe ihren Bericht fertiggestellt, sagte er. "Vor allem bei Demenzerkrankungen sollten, so eines der Ergebnisse, 35 Stunden Beaufsichtigung pro Monat als Betreuungsaufwand anerkannt werden." Demenzkranke brauchten zwar oft weniger Pflege, aber ständige Aufsicht. Dass dies bei der Einstufung oft nicht anerkannt werde, sei für die Angehörigen völlig unverständlich.
In einem Feldversuch habe man bei 1.500 Begutachtungen von Demenzerkrankten probeweise eine Einstufung unter Berücksichtigung der Beaufsichtigung durchgeführt. Das Ergebnis laut Buchinger: "Rund 30.000 Menschen würden von dieser Variante profitieren." Das bedeute bei geschätzten 100.000 Demenzkranken in Österreich, dass fast ein Drittel in die nächsthöhere Pflegestufe käme. Die Mehrkosten bezifferte Buchinger mit rund 30 Mio. Euro. Nun werde er - voraussichtlich im Juli - mit Finanzminister Wilhelm Molterer über dieses Thema verhandeln.
(apa/red)

