Nach Krimi gegen Liverpool: FC Chelsea erstmals im Finale der Champions League
- 'Blues' besiegen 'Reds' in dramatischer Verlängerung
- Avram Grant: "Ich bin stolz, was wir erreicht haben"

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Chelsea hat sich beim sechsten Anlauf zum ersten Mal überhaupt für das Champions-League-Finale qualifiziert. "Ich bin sehr happy und stolz, was wir erreicht haben, es war ein sehr emotioneller Tag", sagte Chelsea-Coach Avram Grant nach dem 3:2-Heimsieg nach Verlängerung gegen Liverpool (Gesamtscore: 4:3) an der Stamford Bridge. Und Kapitän John Terry fügte hinzu: "Es ist fantastisch, es wird 24 Stunden dauern, bis einem richtig bewusstwird, was geschehen ist." Im Endspiel kommt es am 21. Mai in Moskau zum englischen Schlager Manchester United - Chelsea.
Grant schaffte damit gleich im ersten Jahr seiner Ära genau das, was etwa seinem portugiesischen Vorgänger Jose Mourinho verwehrt geblieben war. "Ich musste mehr als andere beweisen, dass mein Team weiß, wie man Fußball spielt, Schwierigkeiten übersteht und Geschichte schreibt", meinte der Chelsea-Trainer, der zuletzt auch mit den Medien auf Konfrontationskurs gegangen war.
Der Finaleinzug war für den Israeli ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk anlässlich seines 53. Geburtstages am Dienstag, andererseits aber auch eine emotionale Sache. Denn ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag schafften die "Blues" den Endspiel-Einzug. "Es war kein leichter Tag für mich", so der Israeli. Grants Vater hatte den Holocaust zwar überlebt, dessen Eltern und Schwester hatte dieser aber mit seinen eigenen Händen begraben müssen.
Matchwinner Drogba
Matchwinner für die Londoner war bei strömendem Regen Didier Drogba. Der Stürmerstar von der Elfenbeinküste brachte seine Elf vor der Pause in Front (33.) und sorgte mit dem 3:1 in der Verlängerung (105.) für die endgültige Entscheidung. Der 30-Jährige erhöhte damit seine Champions-League-Tor-Bilanz im Chelsea-Dress auf 18 Treffer, davon sechs in der laufenden Saison.
"Es freut mich wirklich sehr für den Club, er hat schon so lange darauf gewartet. Was wir erreicht haben ist auch fantastisch für die Fans", meinte Drogba. Neben dem Angreifer machte auch Mittelfeldmotor Frank Lampard, der seine Elf mit einem verwandelten Elfmeter (98./nach Foul an DFB-Teamkapitän Michael Ballack) auf die Siegerstraße brachte, den Unterschied aus. Coach Grant lobte vor allem die Courage des 29-Jährigen, der sich trotz des Todes seiner Mutter in der Vorwoche für einen Einsatz entschied. "Er ist ein tapferer Mann, stand seiner Mutter sehr nahe. Es war seine Entscheidung zu spielen", so Grant.
Ballack holt Elfmeter heraus
Der Chelsea-Coach konnte sich auch einmal mehr auf den in Topform befindlichen Ballack verlassen, der den vorentscheidenden Elfmeter herausholte. "Die Mannschaft bringt nun die Erfahrung mit, in den entscheidenden Momenten das Richtige zu tun", erklärte der DFB-Teamkapitän. Es könne für die "Blues" nun eine "Riesen-Saison" werden. "Wenn man erst einmal im Finale steht, dann will man es auch gewinnen", versicherte der Mittelfeld-Regisseur und merkte an: "ManU und wir spielen beide eine fantastische Saison, mal sehen, wer da am Ende die Nase vorne hat."
Im Lager der Verlierer trauerte man vor allem der vergebenen Chance im Hinspiel nach, schließlich hatte John Arne Riise mit einem Eigentor erst in der letzten Minute der fünfminütigen Nachspielzeit das 1:1 für Chelsea erzielt. "Wir haben vor allem wegen dem Unentschieden im ersten Spiel verloren", betonte Liverpool-Trainer Rafael Benitez.
Chelsea habe aber eine Mannschaft mit Qualität. "Ich habe in der Verlängerung geglaubt, dass wir mental und physisch gut genug gewesen wären, aber das zweite Tor machte den Unterschied und das dritte brachte die Entscheidung", so Benitez. Der Spanier hatte die "Reds" 2005 zum Champions-League-Triumph und in der vergangenen Saison ins Endspiel geführt, beide Male war dabei im Halbfinale gegen Chelsea der Aufstieg fixiert worden.
"Es wird ein großartiges Finale"
Im ersten rein englischen Finale der Königsliga-Geschichte stehen einander nun jene beiden Teams gegenüber, die auch in der englischen Premier League im Gleichschritt (beide 81 Punkte) in Richtung Titelgewinn unterwegs sind. ManU, das zuletzt 1:2 gegen Chelsea verlor, hat zwei Runden vor Schluss aber gegenüber den Londonern das um 16 Treffer bessere Torverhältnis aufzuweisen. "Es wird ein großartiges Finale", ist sich Grant sicher. Und auch Drogba blickt schon fokussiert in Richtung Moskau. "Ich würde lieber im Semifinale verlieren als im Finale. Bei einer Halbfinalniederlage bist du zwei bis drei Tage bestürzt, ein Finale zu verlieren schmerzt aber jahrelang", meinte der Doppeltorschütze.
(apa/red)
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