Samstag, 26. April 2008

Fackellauf ohne Zwischenfälle in Japan:
China schießt sich weiter auf Dalai Lama ein

  • Westen "ignoriere Chinas Errungenschaften" in Tibet
  • Exilregierung bezweifelt Dialogbereitschaft Chinas

Der olympische Fackellauf in der japanischen Stadt Nagano ist ohne weitere größere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Hunderte pro-chinesischer Demonstranten säumten die Straßen mit roten Fahnen, während Tibet-Aktivisten gegen die chinesische Unterdrückung Tibets protestierten.

Drei Männer wurden japanischen Medienberichten zufolge festgenommen, als sie versuchten, den Fackellauf zu behindern. Vier Männer wurden leicht verletzt. Die Fackel konnte dennoch ohne große Unterbrechungen von Läufer zu Läufer weitergereicht werden, während rund 100 Polizisten sie abschirmten. Insgesamt sollen 3.000 Polizisten im Einsatz gewesen sein, wenngleich nur in Bereitschaft.

China weiter aggressiv gegen Dalai Lama
Trotz des chinesischen Angebots zu Gesprächen mit einem Vertreter des Dalai Lamas haben staatliche chinesische Medien ihre verbalen Attacken auf das geistliche Oberhaupt der Tibeter fortgesetzt. Zugleich bekräftigte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, der Dalai Lama müsse Tibet zweifelsfrei als Teil Chinas anerkennen. Die Exilregierung der Tibeter in Nordindien regierte zurückhaltend auf das Dialogangebot Pekings.

Die Parteizeitung "Renmin Ribao" kritisierte, die "Dalai-Clique" suche Unterstützung im Westen und ignoriere "die von China erzielten Errungenschaften nach dem Abschütteln der Leibeigenschaft und Armut in Tibet". Die chinesische Regierung hatte angekündigt, Gespräche mit einem Vertreter des Dalai Lamas aufnehmen zu wollen. Das Treffen werde in Kürze stattfinden, meldete Xinhua.

Exilregierung zweifelt an Sinn des Dialogs
"Der Dalai Lama ist immer offen für einen Dialog", sagte der Leiter der Exilregierung in der Stadt Dharamsala, Samdhong Rinpoche. "Aber die gegenwärtigen Umstände in Tibet erscheinen nicht als angemessene Plattform für einen bedeutsamen Dialog."

Das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten hat wiederholt erklärt, er strebe eine weitreichende Autonomie für Tibet an, aber keine Unabhängigkeit. Bei gewaltsamen Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa kamen Mitte März nach amtlichen Angaben mindestens 22 Menschen ums Leben. Die tibetische Exilregierung sprach von insgesamt 140 Todesopfern, darunter 19 in der Provinz Gansu.

(apa/red)

26.4.2008 14:09