Bitteres Wochenende für Tamira Paszek:
Zwei Niederlagen bei Fed-Cup vs. Schweiz
- Tesar empfiehlt 17-Jähriger Umstellung des Service
- Jungstar bleibt zuversichtlich: 'Tamira is coming back'

Österreichs Fed-Cup-Team ist erstmals seit 1994 nicht mehr im Kreis der besten 16 Nationen der Welt. Eine Mannschaft mit drei Top-100-Spielerinnen, mit Sybille Bammer und Jungstar Tamira Paszek, hätte eigentlich nichts in der dritten Leistungskategorie dieses Traditionsbewerbs zu suchen. Die 2:3-Niederlage gegen die Schweiz in Dornbirn kam kurioserweise nicht wegen einer überdimensional starken Patty Schnyder zu Stande. Es waren aber die vielleicht bittersten Tage in der noch jungen Karriere von Tamira Paszek.
Die 17-jährige Dornbirnerin, bei der in den vergangenen Monaten sowohl gesundheitlich als auch privat viel schief gegangen ist, zeigte sich doch weit von ihrer Hochform entfernt. Sie haderte nach ihren beiden Singles ungewohnt intensiv mit den Schiedsrichterleistungen, die teilweise wirklich sehr fragwürdig waren. Nachdem Sybille Bammer den als Schlüssel zum Sieg geglaubten 6:4,6:0-Erfolg über Patty Schnyder geschafft und eine 2:1-Führung hergestellt hatte, verabsäumte es Paszek gegen die eher unbekannte Stefanie Vögele (WTA-200), den Sack zuzumachen.
Ein Druck, den Paszek (noch) nicht ganz meistern konnte. Sie ging auf den Platz, wohl wissend, dass sie gewinnen muss, denn in Sachen Doppel-Wettbewerbsfähigkeit sieht es im Fed-Cup-Team ähnlich schlecht aus wie vor Jahren im österreichischen Davis-Cup-Team.
"Tamira is coming back"
Paszek war am Ende aber schon wieder positiv eingestellt. "Solche Niederlagen braucht man einfach, um an die Spitze zu kommen. Der Kurs stimmt. Tamira is coming back", meinte "Mimi", ehe sie zugestand, dass die neue Situation doch sehr fordernd für sie war. "Vor heimischen Publikum mit dem Druck, das Fed-Cup-Duell mit einem 3:1 abzuschließen, ist nicht einfach. Aber man hat gesehen, ich kann damit umgehen, am Ende war es ein sehr enges Match."
Sie sei vom Ranking her Favoritin gewesen. Vögele, die sie auch aus der Jugend kennt, habe sie noch nie so spielen gesehen. "Damit werde ich in Zukunft leben müssen, dass man als Favorit ab und zu solche Matches hat, wo jemand drauf losspielt und nichts zu verlieren hat. Das gehört alles dazu zum Prozess."
"Aufschlag als Schwäche"
ÖTV-Kapitän Alfred Tesar wollte die Ursachen freilich nicht in der Belagswahl sehen, zumal Sybille Bammer, die eigentlich gegen Hartplatz war, beide Singles gewonnen hat. "Von Tamira hat man halt mehr erwartet, es waren enge Matches. Ihr Aufschlag hat sich als Schwäche gezeigt diesmal. Ich würde raten, eben wieder versuchen, am ersten Aufschlag zu arbeiten und an einem schnellen zweiten Aufschlag, weil der Kick-Aufschlag, der hoch aufspringt, ist im Damen-Tennis nicht so wirkungsvoll, weil er nicht so aggressiv ist."
Man müsse auch den Aufschlag zur Waffe entwickeln. Paszek hielt von diesen Einwänden, auch während des Spiels auf der Bank, nicht viel. "Das ist seine Meinung, meine Meinung ist eine andere."
Coach als Bezugsperson
In Sachen Tennis verlässt sie sich im Wesentlichen auf die Meinung ihres neuen Trainers Richard Brooks, auch der lange Zeit mit ihr arbeitende Vater Ariff Mohamed spricht da nicht mehr viel mit. "Mein Vater hat nicht wirklich viel mit meinem Tennis zu tun. Er ist mein Vater. Er ist da, um mich zu unterstützen. Er hat viel für mich gemacht in der Vergangenheit, so ziemlich alles, wie auch meine Mama. Mein Coach ist die Bezugsperson, die ich auf dem Platz haben will", spricht sie Klartext.
Nach all ihren Sorgen will sie sich nun wieder ganz aufs Tennis konzentrieren. "Verletzungspausen usw. habe ich seit Australien genug gehabt. Ich fühle mich körperlich relativ gut, die Weh-wehchen sind weg", versichert sie.
ÖTV als Gastgeber?
Der ÖTV kann sich hingegen bereits überlegen, ob er sich für Februar 2009 für die Austragung der Europa-Afrika-Zone I bewerben will. Allerdings gibt es da 15, 16 Nationen in vier Gruppen zu empfangen. Nur die vier Gruppen-Sieger spielen dann in einer Art Semifinale gegeneinander, die Finalisten erreichen das Weltgruppen-Play-off. Alfred Tesar, dessen Vertrag auch 2009 weiterläuft, stellt sich der Aufgabe. "Ich hoffe, dass wir das beste Team zur Verfügung haben." Vom Leistungs-Potenzial her gehört Österreich nicht in die Europa-Afrika-Zone. Um dies zu beweisen, bedarf es aber der Bestbesetzung und auch keiner Scheu vor weiten Reisen. (apa/red)
