Olympia-Fackel in Canberra eingetroffen:
Australien-Strecke nur 4 statt 16 Kilometern
- Flamme aus Sicherheitsgründen an unbekanntem Ort
- Regierung lässt friedliche Proteste ausdrücklich zu

·China: "Politische Erziehung" für Tibet
Ziel der Kampagne ist "einheitliche Denkweise"
·KLICKEN: Fackellauf mit Hindernissen
Chronologie der Tibet-
Proteste um Olympia
Die australische Hauptstadt Canberra bereitet sich mit Barrikaden und großem Sicherheitsaufgebot auf den olympischen Fackellauf vor. Die von Indonesien kommende Flamme wurde aus Sicherheitsgründen an einen nicht genannten Ort gebracht. In Erwartung anti-chinesischer Proteste wurde die Strecke für den Fackelzug um vier auf 16 Kilometer verkürzt, außerdem wurden meterhohe Metallgitter errichtet. Sowohl Tibet-Aktivisten als auch regierungstreue Chinesen haben für das Ereignis Kundgebungen angekündigt.
Simon Bradshaw vom Australischen Tibet-Rat sagte, es würden rund 500 Aktivisten zu friedlichen Protesten in der Hauptstadt erwartet. Außerdem wollten 4.000 chinesische Studenten nach Canberra reisen. Exil-Tibeter warnten vor Zusammenstößen, sollten die regierungstreuen Chinesen zu fanatisch auftreten. Die Tibeter seien durch die Ereignisse in Tibet emotional angeschlagen und könnten "ihre Zurückhaltung verlieren".
Regierung lässt friedliche Proteste zu
Die australische Regierung hat friedliche Proteste ausdrücklich zugelassen. Die Demonstrationen bei früheren Etappen des olympischen Fackellaufs - etwa in London, Paris und San Francisco - richteten sich gegen die rücksichtslose Tibet-Politik Chinas.
Für Aufregung sorgte indes der chinesische Botschafter Zhang Junsai, der ankündigte, dass die wegen ihrer ruppigen Art kritisierten chinesischen Fackelwächter die Flamme nötigenfalls "mit ihren Körpern" verteidigen würden. Premierminister Kevin Rudd hatte vorher klar gestellt, dass die Sicherheit beim Fackellauf ausschließlich von australischen Sicherheitskräften geleistet wird. Hunderte Polizisten sollen während des Fackellaufs im Einsatz sein.
Ex-Premier Raffarin reist nach Peking
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will nach Angaben des früheren Premierministers Jean-Pierre Raffarin mit den EU-Partnern über einen Boykott der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele beraten. Sarkozy werde anschließend eine Entscheidung treffen, wurde Raffarin von der Tageszeitung "Le Parisien" zitiert. Der ehemalige Regierungschef wollte als Gesandter Sarkozys zu einem Treffen mit dem chinesischen Staatschef Hu Jintao nach Peking aufbrechen. Er wolle Hu die "Kontinuität" der französisch-chinesischen Beziehungen versichern, wurde Raffarin weiter zitiert.
Chinas Ehrenrettung von Carrefour
Chinas Regierung dämpft unterdessen die Emotionen im Volk gegen Frankreich, das nach den Zwischenfällen beim olympischen Fackellauf in Paris zum Ziel einer nationalistischen Kampagne geworden war. Nach den Protesten gegen Kaufhäuser der französischen Einzelhandelskette Carrefour und Aufrufen zum Boykott französischer Waren verbreiteten die Medien eine Erklärung des Handelsministeriums in Peking zur Ehrenrettung des Unternehmens. Es wurde ausdrücklich darauf verwiesen, dass sich Carrefour für die Olympischen Spiele und gegen eine Unabhängigkeit Tibets ausgesprochen habe.
Dem Unternehmen war im Internet unterstellt worden, die Exiltibeter zu unterstützen, was Carrefour zurückgewiesen hatte. Das Außenministerium sowie amtliche Medien und Internetportale riefen außerdem dazu auf, das Volk solle seinen Patriotismus auf "vernünftige" Weise äußern, Toleranz zeigen und keine radikalen Maßnahmen ergreifen.
Sarkozy entschuldigt sich bei Jin Jing
Positiv wurde die persönliche Botschaft von Frankreichs Präsident Sarkozy an die chinesische Fackelträgerin und Rollstuhlfahrerin Jin Jing hervorgehoben, die bei den Zwischenfällen in Paris die Fackel gegen Angriffe von Demonstranten verteidigen musste. Frankreichs Senatspräsident Christian Poncelet hatte das Schreiben bei einem Besuch in Shanghai persönlich übergeben.
In Nepal stoppten die Behörden unterdessen einen westlichen Bergsteiger auf dem Mount Everest, der ein Plakat mit der Forderung nach einer Befreiung Tibets von chinesischer Herrschaft bei sich hatte. Er wurde am Basislager aufgegriffen, wie die Behörden in Kathmandu mitteilten. Der Olympische Fackellauf soll erstmals auch auf den Mount Everest führen. Die Polizei wurde aufgefordert, jeglichen Protest auf dem Berg zu unterbinden.
(apa/red)
