Historischer Tiefststand: George W. Bush gegen Ende der Amtszeit immer unbeliebter
- Umfragewerte des US-Präsidenten sacken weiter ab
- Nur mehr 28 Prozent der Amerikaner sind zufrieden

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Schlechte Zeiten für George W. Bush - und keine guten in Sicht: Neun Monate vor dem Ende seiner Amtszeit ist der US-Präsident auf Rekordkurs - allerdings nur in der Rangliste der schlechtesten Umfragewerte, die je ein Präsident der USA von seinem Wahlvolk einstecken musste: Nur noch 28 Prozent der Amerikaner sind laut aktueller Gallup-Umfragewerte mit Bushs Kurs zufrieden, fast drei Viertel lehnen ihn ab. Im Irak ein blutiger Krieg ohne absehbarem Ende, in Afghanistan kaum ein Hoffnungsschimmer der Stabilität und daheim reihenweise wirtschaftliche Hiobsbotschaften lassen die Aussicht, dass sich daran mittelfristig viel ändern wird, unwahrscheinlich erscheinen.
"An den Küchentischen landauf und landab gibt es Besorgnis über unsere wirtschaftliche Zukunft", musste Bush in seiner letzten Rede zur Lage der Nation Ende Jänner eingestehen, die amerikanische Wirtschaft durchlaufe "eine Periode der Unsicherheit." Manch ein Kommentator wertete diese Formulierungen als Euphemismus: Die katastrophale Krise des US-Immobilienmarktes, die über weiterverkaufte faule Kredite weltweit die Finanzmärkte erschütterte, der Verfall des Dollars und steigende Arbeitslosenzahlen sorgten gemeinsam mit den endlos erscheinenden militärischen Engagements der USA für eine Stimmung im Land, die George W. Bushs Imagewerte in Regionen fallen ließ, die zuletzt Jimmy Carter in dessen "Annus Horribilis" 1979 erdulden musste.
Anfang April meldete das US-Arbeitsministerium einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im März auf 5,1 Prozent - einen seit Jahren nicht mehr dagewesenen Wert. Der US-Wirtschaftsmotor stottert nachhaltig, ein Kurswechsel im Irak ist nicht in Sicht und Visionäres oder Programmatisches kann sich ein Präsident, der innenpolitisch zur "lame duck" geworden ist, ohnehin abschminken: Die Kongresswahlen 2006 brachten den Demokraten nach jahrelangem Mauerblümchen-Dasein die Mehrheit in beiden Häusern des Kapitols zurück.
Durchsetzungskraft verloren
Dass seine Durchsetzungskraft nicht mehr das ist, was sie einmal war, musste Bush zu guter Letzt auch jenseits des Atlantiks erfahren: Vom letzten NATO-Gipfel in Bukarest kam er ohne die heftig propagierte Osterweiterung des Bündnisses um die ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine und Georgien nach Hause - weil die Bündnispartner, allen voran Frankreich und Deutschland, sich mit der Meinung durchsetzten, man müsse Wladimir Putin nicht noch mehr auf die Palme bringen als es der US-Präsident mit dem Beharren auf ein US-Raketenabwehrsystem auf tschechischem und polnischen Territorium ohnehin bereits tut.
Als Trost bleibt dem solcherart gebeutelten Bush nur noch, dass seine seit Jahren stetig weiter nach unten rasselnden Umfragewerte zwar mittlerweile eine persönlichen Tiefststand erreicht haben, dass es aber einige seiner Vorgänger noch schlimmer erwischt hat: Unter den 250 von Gallup erhobenen präsidentiellen Werten seit dem Beginn der Präsidentschaft von Harry S. Truman 1945 belegt Bush mit seinem gegenwärtigen Tief erst Rang 239.
Noch unbeliebtere Präsidenten
Richard Nixon kurz vor dem Rücktritt wegen der Watergate-Affäre, Truman selbst während des Koreakrieges und der unglückliche Jimmy Carter, der gegen Ende seiner Amtszeit mit Wirtschaftskrise und Iran-Geiselnahme zu kämpfen hatte, liegen mit zum Teil deutlich schlechteren Werten noch vor ihm - aber muss auch noch ein Dreivierteljahr ins Land ziehen, bis Bush die Schlüssel des Weißen Hauses an seinen Nachfolger - oder Nachfolgerin - übergeben kann.
Wer es auch sein wird, er oder sie wird mit Sicherheit zu Beginn seiner Amtszeit großartige Zustimmung bei der US-Bevölkerung finden - wie George W. Bush, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit 90 Prozent die höchsten Werte erhielt, die je zuvor für einen Präsidenten gemessen worden waren. Aber das ist lange her.
(apa/red)
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