Montag, 21. April 2008

Seeräuber vor der Küste Somalias: Wieder Schiff von "modernen Piraten" gekapert

  • Kriminelle fordern Lösegeld im Austausch für Geiseln
  • Japanischer Tanker im Golf von Aden unter Beschuss

Die Serie von Piratenangriffen am Horn von Afrika hält an. Nachdem Seeräuber am 20. April ein spanisches Fischerboot vor der Küste von Somalia in ihre Gewalt brachten, geriet nun ein japanischer Tanker im Golf von Aden unter Beschuss. Das Schiff konnte den Angreifern entkommen. Die Entführer des spanischen Fischerbootes verlangten über das spanische Radio ein Lösegeld für die Freilassung der 26 Besatzungsmitglieder. Eine spanische Fregatte machte sich auf den Weg vom Roten Meer in die Region vor der Ostküste Afrikas. Die Besatzung war nach Angaben des Kapitäns wohlauf.

Bei einem Anruf an Bord des spanischen Schiffes meldete sich ein Besatzungsmitglied, das sich als Kapitän vorstellte. "Ich bin der Kapitän. Es geht uns allen gut, es gibt im Moment kein Problem", sagte der Seemann, bevor ein Pirat ihn unterbrach. Der Entführer verlangte dann in gebrochenem Englisch "Geld". Er gab sich als Mitglied einer "somalischen Miliz" aus.

Passagiere unverletzt
Nach Angaben des spanischen Außenministeriums enterten Piraten das baskische Tunfischfangboot "Playa de Bakio", als es in somalischen Gewässern fischte. Die 13 Spanier und 13 Afrikaner an Bord des Schiffes seien unverletzt. Baskische Regierungsvertreter berichteten der Nachrichtenagentur Europa Press, das Schiff habe sich rund 400 Kilometer vor der somalischen Küste befunden. Vier Piraten mit Granatwerfern hätten es gekapert. Dabei sei es zwar beschädigt worden, aber weiter fahrtauglich.

Das spanische Verteidigungsministerium wies eine Fregatte aus dem Roten Meer an, die Verfolgung aufzunehmen. Gleichzeitig bat es andere Staaten mit Militärpräsenz in der Region um Mithilfe bei der Suche nach dem gekaperten Schiff.

Japanischer Tanker unter Beschuss
Der japanische Öltanker geriet in dem zwischen Somalia und dem Jemen gelegenen Golf von Aden unter Beschuss. Die schwer bewaffneten Seeräuber seien im Schutz der Dunkelheit mit fünf Schnellbooten angerückt und hätten eine Rakete auf den Tanker gefeuert, teilte das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) in Kuala Lumpur mit.

Die zuständige Reederei Nippon Yusen Kaisha (NYK Line) erklärte in Tokio, die "Takayama" sei beschädigt worden, habe aber entkommen können. Das Schiff mit 16 Philippinern und sieben Japanern an Bord sei auf dem Weg von Südkorea nach Saudi-Arabien gewesen. Nach offiziellen Angaben aus Tokio befand sich das Schiff in internationalem Gewässer.

Häufig Piratenüberfälle
Am Horn von Afrika gibt es häufig Überfälle von Piraten. Für Aufsehen hatte zuletzt die Entführung der französischen Luxus-Segelyacht "Le Ponant" am 4. April gesorgt. Die "Le Ponant" und ihre Besatzung kamen eine Woche später nach Zahlung von Lösegeld durch den Reeder wieder frei. Eine französische Spezialeinheit konnte sechs der Piraten festnehmen, sie warten nun in Paris auf ihren Prozess. Wie der spanische Sender RNE berichtete, wurde das spanische Fischerboot in derselben Gegend überfallen wie zuvor die französische Luxusjacht.

(apa/red)

21.4.2008 16:09