Dienstag, 15. April 2008

Abschied von Windows XP ist unerwünscht:
Petition will verlängerten Verkauf erwirken

  • Microsoft plant XP ab 30. Juni vom Markt zu nehmen
  • Über 60% aller PCs laufen weltweit noch mit WinXP

Ab 30. Juni wird Windows XP von Microsoft offiziell nicht mehr verkauft, der technische Support soll anschließend nach und nach ausgedünnt werden. Allenfalls auf den gerade besonders aktuellen Mini-Notebooks mit abgespeckter Hardware soll das alte Windows noch in den Handel gelangen. Aber in Blogs und Online-Foren wird umso heftiger für das Überleben von XP geworben, je näher der Termin 30. Juni heranrückt.

Allen Überzeugungsversuchen von Microsoft zum Trotz wollen die Windows-Traditionalisten nicht zum XP-Nachfolger Vista wechseln. Sie bemängeln die höheren Hardware-Anforderungen, die Startgeschwindigkeit, gelegentliche Unvereinbarkeit mit bestimmten Programmen und Geräten sowie die ständig auftauchenden Popup-Fenster bei möglichen Sicherheitsrisiken.

"Downgrade" als letzter Ausweg?
Zu den XP-Fans gehört der langjährige Technik-Journalist Galen Gruman. Er hat die Online-Petition "Save XP" (Rettet XP) gestartet und seit Jänner mehr als 111.000 Unterstützer um sich geschart. In tausenden Kommentaren wird Microsoft immer wieder aufgefordert, Windows XP wenigstens solange zu verkaufen, bis das nächste Windows erscheint, also voraussichtlich 2010. Einige klammern sich an den letzten XP-Halt mit der Möglichkeit zum "Downgrade". Bisher stand diese Option nur Firmenkunden offen, jetzt soll es für alle möglich sein, von den beiden Vista-Versionen Ultimate und Business auf XP zu wechseln. Andere kündigen an, dass sie von Windows zu Apple oder Linux wechseln wollen.

Keine zweite Schonfrist von Microsoft
Microsoft hat die XP-Deadline schon einmal verschoben, will dies nun aber kein zweites Mal tun. Das Unternehmen kenne die Online-Petition, erklärte Microsoft. Das "Feedback von Partnern und Kunden" sei wichtig für die eigene Orientierung. Ein Gespräch mit "Save-XP"-Initiator Gruman ist bisher aber nicht zustande gekommen. "Sie glauben wirklich, dass die Leute keine andere Wahl haben, wenn sie einfach die Augen schließen", kritisiert er und will sich weiter um ein Gespräch bemühen.

Tatsächlich führt beim Neukauf eines Computers kaum ein Weg an Vista vorbei, sofern man in der Windows-Welt bleiben will. Nach Schätzungen der Marktforscher von IDC werden in diesem Jahr 94 Prozent aller neuen Windows-Rechner für Privatanwender mit Vista ausgeliefert. Bei Unternehmen wird ein Anteil von etwa 75 Prozent erwartet.

Microsoft in der Zwickmühle
Bei älteren Computern aber sieht es noch anders aus. IDC-Experte Al Gillen schätzt, dass Ende dieses Jahres weltweit noch nahezu 60 Prozent der privat genutzten PCs und 69 Prozent aller Firmenrechner mit Windows XP betrieben werden. Dies könnte Microsoft veranlassen, den Support für XP länger aufrechtzuerhalten als bisher geplant. Derzeit ist geplant, den Vollsupport im April 2009 einzustellen. Einzelne Dienste wie insbesondere die Bereitstellung von Sicherheitspatches sind aber noch bis April 2014 vorgesehen.

Gillen vermutet, dass Graswurzel-Initiativen wie die von Gruman den Software-Konzern in seinen Entscheidungsprozessen kaum beeinflussen, dass die Bedürfnisse der Firmenkunden aber nicht ungehört bleiben. "Man kann ja nicht 69 Prozent der installierten Basis gegen sich aufbringen", sagt der Marktforscher. (apa/red)

15.4.2008 09:48