Mittwoch, 16. April 2008

Bond-Fieber am Bodensee

  • Wie die Arbeiten zum neuen 007 ablaufen

Zwischen 29. April und 9. Mai wird in Bregenz gedreht. Auf der Seebühne zieht man eine ‚Tosca‘-Vorstellung hoch. Die heißblütigen ­Vorarlbergerinnen blicken dem schönen ­Mimen gebannt entgegen.

Eine Nebeldecke liegt über dem Bodensee. Regen setzt ein. Über der Stadt dunstet die Erwartung unmittelbar bevorstehender Ereignisse. Der Countdown wird durch eine Uhr auf dem Bregenzer Hauptplatz angezeigt: Noch 14 Tage, dann kommt der Mann mit der Lizenz zum Töten. Der Brite Daniel Craig – aktuell als Bond, ­James Bond, im Einsatz – wird Vorarlberg auf den Kopf stellen. Die dortige Einwohnerschaft übt sich noch in demons­trativer Gelassenheit. Doch das wird sich ändern, neigt man hier auch von Natur aus nur zu selektiven Temperamentsausbrüchen: Zwischen 29. April und 9. Mai bricht die große Welt in eine Region ein, die um diese Zeit sonst eben erst aus dem Winterschlaf erwacht. „Quantum of Solace“ („Eine Dosis Trost“), Teil 22 der offenbar unsterblichen Bond-Serie, ist in Fertigung. Und Bregenz wird ein Hauptschauplatz sein. 5.000 Menschen haben sich um Komparsenstellen beworben. Auf der Seebühne, dem Hauptdrehort, wird die „Tos­ca“-Inszenierung des vergangenen Sommers wieder betriebsfertig gemacht. Dem Agenten steht hier der Kulturschock bevor, denn er besucht erstmals eine Opernvorstellung, wenn auch eine auf der Seebühne, was den pädagogischen Faktor doch wieder relativiert. Ge­geben wird Puccinis „Tosca“, und genutzt wird das riesige Auge in schwindelnder Höhe, das den Bespitzelungsterror des römischen Polizeichefs Scarpia symbolisieren soll. Diesfalls ist es Schauplatz wilder Stunts und der finalen Flucht des Agenten, der bei der Gelegenheit auch eine getötete Liebe rächt, ehe er sich neuen Aufgaben zuwendet. „Ich glaube, dass wir durch James Bond in eine andere, ­internationale Dimension der Wahrnehmung rücken werden“, sagt Franz Salzmann, Kaufmännischer Direktor der Bregenzer Festspiele. „Selbst Leute, die noch nie von uns gehört haben, werden auf einmal ganz nervös, weil Bond kommt. Das wird sicher noch lange andauern.“

Ein Agent zum Verlieben. Die bekannt heißblütigen Vorarlbergerinnen verharren derweil in der Vorfreude, den athletischs­ten 007 aller Zeiten aus der Nä­he zu erleben. Festspieldirektor Salzmann, augenzwinkernd: „Ich kriege ständig Anfragen von Damen, ob ich nicht vermitteln könnte.“ Junge Damen, die sich anlässlich der Errichtung der Countdown-Uhr auf dem Hauptplatz eingefunden haben, reißen sich um dort verfügbare Plakate des 40-jährigen Briten mit den stechend blauen Augen und dem muskulösen Körper. Die Hoffnung, Craig werde ohne die ihm verlobte Satsuki Mitchell anreisen, lebt jedenfalls. Andererseits hat die zierliche Filmproduzentin den ansehnlichen Helden­darsteller schon während der Dreh­arbeiten zum vorhergehenden „Bond“ besucht, wann immer sie konnte. „Satsuki war eigentlich täglich dabei. Ich glaube, dass beide zu diesem Zeitpunkt frisch verliebt gewesen sein müssen“, erinnert sich der Wiener Andreas Daniel, der in „Casino Royale“ den Croupier spielte. Die 30-jährige Amerikanerin japanischer Herkunft und der erste blonde Bond sind seit 2005 liiert, mit kurzer Beziehungsunterbrechung durch eine Affäre, in die der Agent Ihrer Majestät von der Schauspielerin Sienna Miller verwickelt wurde. Craig und Mitchell trafen einander während der Dreharbeiten zum Psychothriller „The Jacket“ und blieben beisammen. „Ich bin glücklich, sie an meiner Seite zu haben“, betont der Schauspieler bei Gelegenheit, schweigt aber auf Britisch zu Hochzeitsgerüchten. „Das ist ein sehr wichtiger Moment im Leben eines Menschen. Ich würde keine offizielle Erklärung dazu abgeben, da ich kein Mitglied der königlichen Familie bin.“

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16.4.2008 14:48