65 Jahre Aufstand im Warschauer Ghetto:
Polen und Israel veranstalten Gedenkfeier
- Aufstand der Juden mit "historischem Heldentum"
- 300.000 Juden kamen in Vernichtungslager Treblinka
In der polnischen Hauptstadt Warschau ist des 65. Jahrestags des Aufstandes im Warschauer Ghetto gedacht worden. Die Präsidenten Polens und Israels, Lech Kaczynski und Shimon Peres, zündeten am sogenannten Umschlagplatz laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP ewige Kerzen an. Von hier waren Tausende Warschauer Juden in das NS-Todeslager Treblinka gebracht worden.
Anschließend zog der hochrangige Tross mit den beiden Staatsoberhäuptern, dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, dem Parlamentspräsidenten Bronislaw Komorowski, Außenminister Radoslaw Sikorski und seinem französischer Amtskollege Bernard Kouchner sowie einer US-Delegation zum Mahnmal zu Ehren der Helden des Ghettoaufstands weiter.
"Die meisten Aufständischen sind kaltblütig ermordet worden", erinnerte Peres dort. Der Kampf der Aufständischen sei von einem "historischen Heldentum" geprägt, das "unsere Kinder mit Stolz erfüllt", so das Staatsoberhaupt Israels. Sein Amtskollege Kaczynski sagte, die Aufständischen hätten "nicht um des Sieges, sondern um der Ehre Willen gekämpft". Obwohl eine Wiederholung des Holocaust unmöglich erscheine, mahnte der polnische Präsident, müsse man wachsam sein.
Ins Vernichtungslager deportiert
Nach dem Überfall auf Polen 1939 hatten die deutschen Nationalsozialisten im besetzten Warschau ein Ghetto eingerichtet und dort bis zu einer halben Million Juden zusammengepfercht. Im Sommer 1942 wurden rund 300.000 von ihnen in die NS-Vernichtungslager Treblinka in Ostpolen gebracht, wo sie zumeist in Gaskammern ermordet wurden. Als im April 1943 SS-und Wehrmacht-Einheiten ins Ghetto einrückten, um die verbliebenen Einwohner zu deportieren, brach ein Aufstand aus, der nach vier Wochen mit der Zerstörung der Synagoge endgültig niedergeschlagen wurde. Die vor Beginn des Aufstandes rund 50.000 Einwohner des Ghettos kamen bei der Niederschlagung oder anschließend in Vernichtungslagern fast ausnahmslos ums Leben.
An diesem Gedenktag weiters vorgesehen ist neben dem Besuch jenes Ortes, an dem das Museum der Geschichte polnischer Juden entsteht, auch ein Treffen mit jüdischen Veteranen sowie ein Konzert der Israelischen Philharmonie unter der Leitung von Zubin Mehta. Am Montag hatte Peres als Auftakt seines viertägigen Besuches in Polen das einstige KZ Treblinka besucht und mit Lech Kaczynski der Holocaust-Opfer gedacht. Seine Botschaft für die Zukunft sei, dass Nationalität, Konfession oder Gesinnung niemals mehr ein Grund zum Töten oder Verfolgen eines Menschen sein könnten, sagte Kaczynski.
"Nie wieder"
Die israelische Zeitung "Haaretz" (Online-Version) titelte mit "In Treblinka sendet Peres versöhnliche Botschaft an Polen". Der israelische Präsident sagte an dem belasteten Ort, es sei "schwierig, hier zu stehen - nicht wegen Euch, sondern wegen dem, was hier war". An die israelischen Soldaten und Jugendgruppen gerichtet sagte Peres: "Hätten wir diese Soldaten und jungen Leute damals gehabt, wäre uns dies nicht geschehen, und es wird uns auch in Zukunft nicht geschehen." Nie wieder würde man "den Bestien" freien Lauf lassen.
Peres dankte auch jenen Polen, die während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben riskierten, um ihre jüdischen Mitbürgern zu retten. Seinem polnischen Amtskollegen sprach er im selben Zusammenhang Dank für die Unterstützung bei der Nominierung der 98-jährige Polin Irena Sendler zum Friedensnobelpreis aus. Sendler hatte 2.500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt und den Aufenthaltsort ihrer Schützling auch unter Gestapo-Folter nicht verraten.
(apa/red)
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