So kommen Sie gut durch Börsenkrisen: Hoher Aktienanteil bei Lebensversicherung
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Vergleich der Renditen von Sparbüchern & Co.

Ein hoher Aktienanteil macht sich in Lebensversicherungen bezahlt - vor allem, wenn man öfter die Fonds wechselt und in guten Börsenphasen Gewinne mitnimmt.
Österreich ist längst ein Land der Aktionäre geworden - auch wenn es manchem Anleger gar nicht bewusst ist. So gibt es zum Beispiel weit über eine Million Besitzer von fondsgebundenen Lebensversicherungen oder Zukunftsvorsorgeverträgen, bei denen immerhin 40 Prozent des Kapitals vorwiegend an der Wiener Börse veranlagt ist. Dementsprechend hängt auch die Höhe ihrer künftigen Alterspension ganz wesentlich von der Börsenentwicklung ab. FORMAT analysiert, wie sich solche Polizzen im Vergleich zu klassischen Er- und Ablebensversicherungen entwickelt haben und welche Möglichkeiten bestehen, Risiko und Ertrag zu optimieren.
Zwischensieger Zukunftsvorsorge
In den vergangenen fünf Jahren war die Zukunftsvorsorge in der Regel das beste Produkt. Wer zum Beispiel bei der Allianz ab dem Jahr 2003 jeweils zu Jahresanfang einen Sparanteil von 1.200 Euro nach Kosten in die Zukunftsvorsorge eingelegt hat, besitzt heute inklusive staatlicher Prämie 9.184 Euro. Das sind zwar wegen der aktuellen Börsenturbulenzen einige Hunderter weniger als noch im Jänner, aber deutlich mehr als bei einer klassischen Allianz-Lebensversicherung mit Garantie-Gewinnbeteiligung oder einer Fondspolizze mit einem Mischfonds mit 50 Prozent Aktienanteil und 50 Prozent Anleihen. Allianz-Experte Manfred Pfeffer: "Bei der Zukunftsvorsorge wirken sich die gute Entwicklung der Wiener Börse und die staatlichen Prämien positiv aus. Allerdings ist der Beobachtungszeitraum zu kurz, um ein Endergebnis für ein Produkt vorherzusagen, das für 20 bis 30 Jahre abgeschlossen wird."
Auch wenn die Fondspolizze trotz ihres höheren Aktienanteils derzeit im Vergleich zu klassischen Versicherungen fast Kopf an Kopf abschneidet, machen Aktien sich im Normalfall langfristig bezahlt. Das zeigt ein Langfristvergleich von drei risikoabgestuften Skandia-Fondsportfolios. Der dynamische Mix mit etwa 75 Prozent Aktien hat seit 1995 im Durchschnitt mit 5,4 Prozent bezogen auf den Sparanteil der Prämie um einiges mehr erzielt als der konservative Mix (25 Prozent Aktien) mit 4,9 Prozent. Auffallend: Das spekulative Depot mit hundert Prozent Aktien liegt derzeit am schlechtesten. Hier konnten die zum Teil spektakulären Kursgewinne der Vergangenheit nicht gehalten werden (siehe Grafik). Einen Grund dafür sieht Skandia-Vorstand Hermann Schrögenauer im hohen Dollar-Anteil der Veranlagung: "Wenn sich der Dollar wieder erholt, profitiert das spekulative Portfolio besonders."
Passive Polizzenbesitzer
Der Vergleich würde eindeutig zugunsten der Fondspolizzen ausfallen, wenn ein Besitzer ab und zu aktiv geworden wäre und in Zeiten hoher Börsenkurse zumindest einen Teil der Gewinne in Sicherheit gebracht hätte. Das machen aber die wenigsten Kunden, obwohl es problemlos möglich wäre. Mathias Frisch, Leiter der Lebensversicherung der Wiener Städtischen: "90 Prozent der Besitzer einer Fondspolizze haben eine statische Fondsaufteilung, nur zehn Prozent wechseln die Fonds. Dabei wäre der Fondsswitch täglich möglich und bei uns auch bis zu zweimal im Monat kostenlos." So könnte man einerseits in guten Phasen besonders chancenreiche Investments wie zum Beispiel Schwellenlandfonds mit Schwerpunkt Asien oder Osteuropa beimischen und andererseits bei Bedarf in konservative Anleihenfonds umsteigen. Skandia-Vorstand Schrögenauer: "Man kann auch nur die Neuprämien in anderen Fonds veranlagen und das angesparte Kapital wie bisher investieren - oder umgekehrt."
Bei der Wiener Städtischen ist es sogar möglich, das Kapital ganz auf Nummer sicher zu parken, indem das Geld temporär in den Deckungsstock der klassischen Lebensversicherung umgeschichtet wird. Städtische-Experte Frisch: "Dann bekommt man derzeit vier Prozent Zinsen, die tagesgenau abgerechnet werden, im nächsten Jahr sogar 4,5 Prozent."
Eine Möglichkeit, die Schäfchen automatisch ins Trockene zu bringen, bieten neuartige Fonds mit Höchststandsgarantie. So werden zum Beispiel bei den DWS-Flexpension-Fonds, die bei vielen Assekuranzen im Angebot sind, Gewinne monatlich festgeschrieben. So hat etwa der Flexpension mit Ablaufdatum 2019 inzwischen schon fast einen Garantiewert von 140 Prozent erreicht. Diese Marke gilt auch für aktuelle und alle künftigen Einzahlungen in den Fonds, der derzeit etwa bei einem Kurs von 120 notiert. Man könnte sogar die Chance nützen, jetzt in tiefen Börsenphasen das Depot mit erhöhten Prämien oder einem zusätzlichen Einmalerlag aufzustocken. Zürich-Vorstand Peter Stockhammer, der den Flexpension in den Zürich-Polizzen anbietet: "Aus steuerlichen Gründen darf man aber bei Aufstockungen nur das ursprünglich geplante Prämienvolumen verdoppeln." Der Nachteil bei solchen Kapitalgarantien ist die geringe Flexibilität: Die Sicherheit gilt nur, wenn man bis zum geplanten Vertragsende durchhält, was erfahrungsgemäß nur die Hälfte der Kunden schafft.
Dieses Problem entschärft der Tarif Future Invest der Generali. Generali-Vorstand Peter Thirring: "Wir setzen spezielle Garantiefonds der Generali ein, bei denen der erreichte Höchststand alle fünf Jahre gilt. Man kann dadurch alle fünf Jahre aussteigen, ohne dass die Höchststandsgarantie verloren geht." Natürlich hat auch dieser Vorteil einen Haken: Der Aktienanteil der Generalifonds ist deutlich niedriger als bei den DWS-Flexpension-Fonds.
Mehr zu Geld und Fonds finden Sie im aktuellen FORMAT 16/2008.

