Montag, 28. April 2008

Inflationsrate steigt in EU auf Rekordstand:
Währungskommission zunehmend besorgt

  • Jährliche Inflationsrate hat höchsten Stand erreicht
  • Hauptursache sind hohe Öl- und Lebensmittelpreise

Die hohen Inflationsraten in der EU und der Eurozone bereiten der EU-Kommission zunehmend Sorgen. "Wir sind besorgt", sagte die Sprecherin von EU-Währungskommissar Joaquin Almunia nach der Veröffentlichung der Teuerungsraten für März durch das EU-Statistikamt Eurostat. Die jährliche Inflationsrate der Eurozone hat im Vormonat mit 3,6 Prozent den höchsten Wert erreicht, der seit Beginn der Aufzeichnungen für den harmonisierten Verbrauchpreisindex der Währungsunion 1997 gemessen wurde.

Auch die Inflationsrate der gesamten EU lag mit 3,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit dem Beitritt der ost- und südosteuropäischen Staaten im Mai 2004, hieß es bei Eurostat. Im Mai 2001 war der Index der 27 Länder bereits einmal bei 4 Prozent gelegen.

Teurungsrate steigt seit September immer weiter an
Der Anstieg der Teuerungsraten der EU und der Eurozone hält seit September ungebremst an. "Wir hoffen, dass die Inflation gegen Jahresende wieder auf ein normaleres Niveau zurückgeht", sagte die Sprecherin Almunias. Nicht zuletzt sollte der Anstieg der Lebensmittelpreise mit guten Ernten wieder gebremst werden. Eine rasche Rückkehr zu zwei Prozent, jenem Wert um den sich die durchschnittliche Jahresinflation in den vergangenen zehn Jahren bewegt hat, sei aber unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Preisstabilität nur gewährleistet, wenn die Inflationsrate unter oder knapp bei 2,0 Prozent liegt.

Hohe Ölpreise, gestiegene Lebensmittelkosten
Die Hauptursachen für den starken Preisanstieg sind laut EU-Kommission die hohen Ölpreise und die gestiegenen Kosten für Lebensmittel. Allein die Preise von Energie seien im 12-Monats-Abstand um 11,2 Prozent gestiegen, jene von Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol um 5,6 Prozent. Treibstoffe, flüssige Brennstoffe sowie Milch, Käse und Eier waren laut Eurostat gemeinsam für einen Prozentpunkt in der Inflation verantwortlich. Preisdämpfend wirkten Bereiche wie Telekommunikation, Elektronik sowie Bekleidung und Schuhe. Die Brüsseler Behörde appellierte neuerlich an Wirtschaft und Gewerkschaften, nicht durch weitere Preiserhöhungen bzw. übertriebene Lohnforderungen eine Inflationsspirale in Gang zu setzen.

Höchstwerte in Lettland, Bulgarien und Litauen
Die höchsten Inflationsraten in der EU wurden laut Eurostat im März in Lettland (16,6 Prozent), Bulgarien (13,2 Prozent) und Litauen (11,4 Prozent) gemessen. Innerhalb der Eurozone kletterte die Teuerungsrate in Spanien, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Zypern und Malta auf über vier Prozent, in Slowenien sogar auf 6,6 Prozent. Die niedrigsten jährlichen Raten in der EU wurden in den Niederlanden (1,9 Prozent), in Großbritannien (2,5 Prozent) und Portugal (3,1 Prozent) gemeldet.

Österreich liegt im Mittelfeld der Eurozone
Österreich lag mit einem Harmonisierten Preisindex (HVPI) von 3,5 Prozent im März nach 3,1 Prozent im Februar im Mittelfeld der Eurzone. Auch der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) stieg nach einer kurzen Beruhigung wieder an. Im Jahresabstand kletterte die Inflationsrate damit fast wieder auf die Dezember-Rekordhöhe von 3,6 Prozent. Hauptgrund der starken Teuerung im März waren auch in Österreich die Treibstoffpreis-Anstiege und die Verteuerungen bei Lebensmitteln.

Die EU-Kommission hat angesichts der hohen Teuerungsraten in der Entwicklung in den ersten drei Monaten bereits angekündigt, dass sie in ihrer Frühjahrsprognose am 28. April die Vorhersagen für die Inflation 2008 nach oben korrigieren wird. Bisher war die Brüsseler Behörde für den Euroraum von 2,6 Prozent und für die gesamte EU von 2,9 Prozent ausgegangen.

Euro steht auf Allzeithoch
Die Rekordinflation in der Euro-Zone hat den Euro auf ein Allzeithoch getrieben, weil dadurch eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank unwahrscheinlicher geworden ist. Die Gemeinschaftswährung kostete mit bis zu 1.5967 Dollar so viel wie noch nie seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten im Jahr 1999. Im weiteren Handelsverlauf gab der Euro wieder etwas nach auf 1,5935 Dollar. (apa/red)

28.4.2008 11:13