Samstag, 19. April 2008

Großer Aktien-Gewinn bei billigem Einkauf: Kursrutsch an den Börsen eröffnet Chancen

  • FORMAT zeigt welche Aktien den Einstieg wert sind
  • Über Garantieprodukte und Optimierung der Pension

Der Kursrutsch an den Börsen eröffnet neue Chancen. FORMAT zeigt, welche Aktien und Fonds den Einstieg wert sind, auf welche Garantieprodukte man jetzt setzen kann und wie die Altersvorsorge optimiert werden kann.

Als im Sommer 1998 die Börse Moskau dramatisch abstürzte, warfen selbst eingefleischte Optimisten die Flinte ins Korn und stiegen mit großen Verlusten aus. Was anfangs wie eine vernünftige Entscheidung aussah - immerhin hatte der Crash dazu geführt, dass beim frisch aufgelegten Russlandaktienfonds East Capital Russia binnen weniger Monate 80 Prozent des eingesetzten Geldes verspielt waren -, entpuppte sich in der Folge als dramatischer Fehler. Wer damals trotz der desaströsen Lage im Fonds investiert blieb, hat heute mehr als das 15fache seines Einsatzes im Depot. Und wer die Nerven gehabt hätte, im Oktober 1998 zum Tiefpunkt einzusteigen, hätte jetzt sogar das 73fache des Einsatzes am Depot.

Heute erinnert manches an die damalige Russlandkrise, die sich weltweit ausbreitete und wie in einem Dominospiel das weltweite Bankensystem zum Wanken brachte. Allerdings sind die heutigen Verluste der Banken, die bis auf 1.000 Milliarden Dollar geschätzt werden, wesentlich größer. "Zeiten wie diese habe ich an den Finanzmärkten noch nicht erlebt, an den Börsen gab es noch nie so ein schlechtes erstes Quartal", konstatiert der 1942 geborene deutsche Vermögensverwalter Jens Ehrhardt.

Zwar kann niemand ausschließen, dass schlechte Bilanzzahlen, die in den nächsten Wochen veröffentlicht werden, die Börsen noch weiter unter Druck setzen. Mutige Anleger können aber jetzt auf jeden Fall billig einsteigen und eine hervorragende Basis für langfristige Gewinne schaffen. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Aktien sind so günstig bewertet wie schon lange nicht mehr. So ist etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Wiener Aktien auf 10,3 gesunken und damit so niedrig wie zuletzt im Jahr 2000. Auch an den meisten der wichtigsten Börsen der Welt sind Dividendenwerte jetzt günstig zu haben (siehe Grafik Seite 139). Nur in Amerika haben sich die Börsen auf Jahressicht wieder auf ein KGV von 18,7 verteuert, weil die Gewinne stärker einbrachen als die Kurse. Vermögensverwalter Ehrhardt: "In den USA haben die Analysten bei ihren Gewinnprognosen gleich um ein Drittel zu hoch gegriffen."

Die richtigen Titel für Mutige
Auf Seite der Veranlagung favorisieren die Geldverwalter derzeit europäische Aktien und Exotenmärkte. Vermögensverwalter Ehrhardt, der auch für den DJE Dividende & Substanz verantwortlich ist: "Aktien des EuroStoxx 50 oder deutsche Werte sind jetzt sehr günstig bewertet, das ist für Anleger eigentlich ein Idealszenario." Wolfgang Matejka, Mastermind des Österreichaktienfonds Meinl Equity Austria, sieht generell gute Chancen bei Industrietiteln: "Die Lagerbestände wurden stark abgebaut und liegen selbst bei amerikanischen Unternehmen im historischen Vergleich sehr tief."

Zu den Geheimfavoriten der Börsianer zählen die Aktienmärkte von Russland und Südamerika. Peter Elam Hakansson, Fondsmanager des East Capital Russia Fund: "Russland hat enormen Rohstoffreichtum. Noch wird aber übersehen, dass die Kaufkraft der 143 Millionen russischen Konsumenten permanent steigt. Darüber hinaus sind manche Ölaktien nach der Korrektur der Börse Moskau mit einem KGV von fünf extrem günstig bewertet." Aus den hohen Rohstoffpreisen schlagen auch die südamerikanischen Aktienmärkte Münze. Katy Dobson, Fondsmanagerin vom Threadneedle Latin America: "Südamerika profitiert von den hohen Rohstoffpreisen. Und die Volkswirtschaften erholen sich immer mehr. Brasilien hat bereits einen großen Überschuss in der Handelsbilanz."

15 Prozent billiger als im Vorjahr
Auch konservative Fonds, die sich in der Krise vergleichsweise gut geschlagen haben, wie der M&G Global Basics, sind wegen der Kursrückgänge jetzt um ein Sechstel billiger als noch im Vorjahr. Wer das Risiko angesichts der schwankenden Börsen weiter reduzieren will, kann den zu 40 Prozent auf Rohstoffaktien ausgerichteten M&G-Fonds oder den DJE Dividende & Substanz per Ansparplan kaufen. Bei direktanlage.at gibt es zum Beispiel einen solchen Sparplan für beide Fonds ab einer monatlichen Sparrate von 50 Euro. Zusätzlich sind die Verkaufsspesen des M&G-Fonds gegenüber den Standardkosten um 55 Prozent reduziert.

Beim Österreichaktienfonds Meinl Equity Austria ist der Depotaufbau ab 70 Euro im Monat möglich. Bei dem spekulativen Südamerikafonds Templeton Latin America kann man bei der Fondsplattform der Capital Bank ab 50 Euro monatlich einsteigen, der DWS Top 50 Asien ist bei direktanlage.at zu beziehen. Jenen, die bereits einen Sparplan haben, rät Horst Simbürger, Manager des Volksbank Europa Invest, diesen angesichts der tiefen Kurse jetzt um zwanzig bis dreißig Euro aufzustocken. "Dann profitiert man von einem späteren Aufschwung umso stärker."

Natürlich kann man mit solchen Papieren das Kapital nicht vervielfachen. Wer extreme Erträge anpeilt, kommt an den Schwellenländern nicht vorbei - und auch Russland-Anleger haben gute Chancen, in ein paar Jahren wieder wirklich üppig verdient zu haben.

Mehr über Geld und Aktien lesen Sie im aktuellen FORMAT 16/2008.

19.4.2008 20:02