Freitag, 18. April 2008

Lange Spitalsaufenthalte kommen teuer:
Reform bei Finanzierung des Systems nötig

  • 41 Prozent der Gesundheitsausgaben fließen in Spital
  • Kassen sind in erster Linie für Ausgaben zuständig

41 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben fließen in die stationäre Versorgung im Krankenhaus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Spitalswesens in Österreich durch das Institut für Höhere Studien (IHS). Zu zögerlicher Bettenabbau, eine hohe Aufnahmerate, zu viele stationäre Patienten und Produktivitätsunterschiede seien der Grund für die hohen Kosten der stationären Versorgung.

Die Kassen, die in erster Linie für den niedergelassenen Bereich zuständig sind, wenden auch 26 Prozent ihrer Ausgaben für die Spitalsfinanzierung auf, so Hauptautor Thomas Czypionka. Im Europaweiten Vergleich liegt Österreich hinter der Schweiz mit 46 Prozent für die stationäre Versorgung, gefolgt von den EU-Ländern Italien (44 Prozent) und Frankreich (42 Prozent). Vergleichsweise niedrige Ausgaben haben Tschechien, Spanien und die USA mit je 27 Prozent, aber auch Ungarn, Schweden, Deutschland und die Niederlande liegen hinter Österreich.

"Viele Aufnahmen - relativ kurze Belagsdauern"
So lautet das Resümee des IHS bei der Effizienz der Spitäler. So würden in Österreich 26 Spitalsaufnahmen auf 100 Einwohner kommen. Als Grund für die immer kürzer werdende Liegedauer bei EU-weit konstant bleibenden Aufnahmen nannte Czypionka die eingeführte "Fallpauschale": Nicht mehr für die Dauer wird bezahlt, sondern pro Fall. So würde man Patienten schneller entlassen aber auch schneller aufnehmen.

Reform bei Finanzierung
Notwendige Reformen sehen die Experten abermals bei der Finanzierung des gesamten Systems. Bei der Produktivität des Spitalspersonals liegt Österreich über dem Durchschnitt, geht man von der Anzahl der Patienten pro Mitarbeiter aus (21 im Jahr 2005). Aber auch die Bundesländer unterscheiden sich in diesem Punkt. So ist die Produktivität laut Studie in Wien wesentlich geringer als in Oberösterreich, das Spitzenreiter ist. (apa/red)

18.4.2008 13:24