Wellbeing steigert Mitarbeitermotivation: Arbeitgeber sollten viel freundlicher werden
- FORMAT: Das Interview mit Cathy Kopp von Accor
- Vom Personalchef zum Human Resources Manager

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Geht es nach Cathy Kopp, Director of Human Resources und Sustainable Development bei Accor, müssen Arbeitgeber künftig freundlicher zu ihren Mitarbeitern sein.
Format: Wie hat sich der Bereich Human Resources in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Welchen Wandel mussten Firmen vollziehen, um der Veränderung im Arbeitsalltag gerecht zu werden?
Kopp: Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit Human Resources. Der erste Schritt wurde im Personalbüro gemacht. Der Job des Personalchefs war damals noch auf rein administrative Arbeiten wie Gehaltsabrechnungen und -verhandlungen beschränkt. Die Entwicklung vollzog sich dann in Dezennien: Vor zwanzig Jahren haben wir uns das erste Mal Gedanken über unsere Mitarbeiter gemacht. Motivation war plötzlich ein Schlagwort. Bonussysteme, Aus- und Weiterbildungen wurden implementiert. Das Individuum rückte in den Vordergrund. Seit ein paar Jahren sind wir in Phase drei angelangt: Das "Wellbeing" unserer Mitarbeiter liegt uns am Herzen.
Format: Und was ist nun aus dem Personalchef von vor dreißig Jahren geworden?
Kopp: Im Idealfall hat sich der Personalmanager zum Human Resources Manager entwickelt und wird in naher Zukunft vielleicht zum Human Relations Manager. Der Job wäre dann sehr komplex und sehr teuer für den Arbeitgeber. Aber Gehaltspackages werden ohnehin immer umfassender: Vor dreißig Jahren bestand es nur aus dem Lohn, vor zwanzig Jahren war es der Lohn plus Bonus, und heute vereint das Paket Motivationsevents, Teambuilding-Programme und Coachings sowie alle Arten von unterschiedlichen Services.
Format: Wie argumentiert man gegenüber einem Unternehmen, dass es Geld in die Hand nehmen soll, um solche Leistungen seinen Mitarbeitern überhaupt anzubieten?
Kopp: Sehr simplifiziert ausgedrückt, steigert die Mitarbeiterzufriedenheit die Unternehmensumsätze. Wenn sie beides erreichen, sowohl tolle Umsatzzahlen als auch zufriedene Mitarbeiter, sprechen wir von einem erfolgreichen Human Resources Management. Nachhaltiger Erfolg funktioniert nun mal nur auf zwei Beinen!
Format: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privat verschwinden immer mehr. Nicht immer zum Vorteil der Mitarbeiter.
Kopp: Die modernen Kommunikationssysteme wie Mobiltelefone und BlackBerry verstärken diese Entwicklung noch. Es ist heute eine immense Herausforderung, beides voneinander zu trennen. Arbeitnehmer sind dazu gezwungen, ihre privaten Probleme sehr schnell zu lösen, damit sie im Job funktionieren.
Format: Die Organisation der Kinderbetreuung führt in der Praxis häufig zu Problemen. Wie wollen Sie das lösen?
Kopp: Angenommen, Sie haben einen sehr wichtigen beruflichen Termin und benötigen unbedingt einen Babysitter für diesen Zeitraum. Die Suche und Koordination verlangt meist so viel Aufmerksamkeit, dass sie die Vorbereitung auf den Termin hintanstellen - das Baby können sie ja nicht einfach "ablegen". Die Folge: Stress und ein schlechtes Gewissen der Familie und den Vorgesetzten gegenüber. In solchen Situationen ist es die Aufgabe des Arbeitgebers, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Das Wellbeing unserer Mitarbeiter ist immens wichtig und sorgt wiederum für Motivation am Arbeitsplatz. Davon profitieren wieder die Umsätze des Unternehmens.
Format: Frankreich und Skandinavien bieten bereits eine vorbildliche Kinderbetreuung. Österreich ist immer noch ein recht hartes Pflaster für berufstätige Mütter. Was kann Frankreich besser?
Kopp: Die Wirtschaft in Österreich ist ja stark von Klein- und Mittelbetrieben geprägt. Ein großes Unternehmen tut sich wesentlich leichter, Kindergarten, Kinderkrippen und andere Betreuungseinheiten anzubieten. Firmen könnten sich regional zusammenschließen, um eine professionelle Kinderbetreuung zu organisieren.
Format: Existiert aus Ihrer Sicht überhaupt so etwas wie eine Work-Life-Balance?
Kopp: Balance? Keiner weiß, was das eigentlich ist, oder vielmehr, jeder definiert es anders! Was wir wollen, ist serenity für unsere Mitarbeiter, also Heiterkeit und Gelassenheit. Wir müssen unseren Arbeitnehmern verschiedene Arten von Services anbieten, frei nach ihren Bedürfnissen und Prioritäten. Im Idealfall können sie sich diese Services selbst zusammenstellen, um ihre ganz individuelle Work-Life-Balance zu erreichen. Warum surfen Mitarbeiter im Internet, organisieren ihre Freizeit via Telefon während der Arbeitszeit? Das tun sie sicher nicht, weil ihnen ihr Job so gut gefällt. Ermöglichen Sie als Arbeitgeber Ihren Angestellten, eben die Heiterkeit und Gelassenheit zu empfinden, werden sie auch produktiver sein, und es kommt zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten.
Mehr dazu lesen Sie im aktuellen FORMAT 16/2008.

