Bildungsabschlüsse bringen Geld in Börse:
Akademiker haben weit höheres Einkommen
- Unterschiedliche Maturantenraten in Bundesländern
- Österreich liegt bei Bildungsentwicklung im Mittelfeld
Bildungsabschlüsse zahlen sich auch finanziell aus. Akademiker haben nicht nur ein weit niedrigeres Arbeitslosigkeits- und Armutsrisiko als geringer Qualifizierte, sie erzielen auch einen um 75 Prozent (Männer) bzw. 69 Prozent (Frauen) höheren Nettostundenlohn als Personen mit bloßer Pflichtschulausbildung. Das ist eines der Ergebnisse der Publikation "Bildung in Zahlen" der Statistik Austria. Ein zusätzliches Ausbildungsjahr brachte insgesamt im Schnitt sieben Prozent mehr Nettostundenlohn (zum Vergleich: ein Zusatz-Jahr an Berufserfahrung bringt ein Einkommensplus von 2,4 Prozent bei Frauen und 2,6 Prozent bei Männern).
Wer eine Lehre absolviert hat, erhielt 2005 einen um 15 (Männer) bzw. 13 Prozent (Frauen) höheren Nettostundenlohn als Personen mit bloßem Pflichtschulabschluss. Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) hatten einen um 25 (Männer) bzw. 31 Prozent (Frauen) höheren Nettostundenlohn, AHS-Absolventen lagen um 37 (Männer) bzw. 34 Prozent (Frauen) voran, Absolventen einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) um 49 (Männer) bzw. 42 Prozent (Frauen). Würde man die Bruttogehälter berücksichtigen, ergäben sich aufgrund des progressiven Steuersystems noch höhere Unterschiede, so Markus Schwabe von der Statistik Austria.
Akademikeranteil verdreifacht
Die neuesten Bildungszahlen bestätigen die Entwicklung der vergangenen Jahre. So ist der Anteil von Personen (25-64-Jährige), die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, zwischen 1971 und 2006 von knapp 60 Prozent auf 18,2 Prozent gesunken. Der Akademikeranteil hat sich umgekehrt in dieser Zeit auf rund 13 Prozent verdreifacht - bezieht man wie international üblich Kollegs und Werkmeisterausbildung ein, sind es knapp 18 Prozent. Im internationalen Vergleich sind sowohl der Akademikeranteil als auch der Anteil von Personen nur mit Pflichtschulabschluss gering.
Etwas verschlechtert hat sich in den vergangenen Jahren das Betreuungsverhältnis an den Unis: Im Studienjahr 2006/07 entfielen durchschnittlich 95 ordentliche Studenten auf eine Professur, in den Jahren davor waren es rund 90. Bezieht man alle Uni-Lehrer ein, sieht es wesentlich besser aus - dann kommen rund 15 Studenten auf einen Uni-Lehrer. Dies zeige, dass der Großteil der Lehre nicht von den Professoren, sondern vom Mittelbau getragen werde, so der Leiter der Direktion Bevölkerung in der Statistik Austria, Peter Findl. Dieses Verhältnis habe sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert.
Bundesländervergleich
Einen eigenen Teil widmet die Publikation einem Bundesländervergleich. Dabei zeigen sich einige überraschende Ergebnisse. So hat etwa Wien trotz der hohen AHS-Besuchsquote die zweitniedrigste Maturantenrate der 18-19-Jährigen (35 Prozent, Kärnten: 44 Prozent). Erklärt wird dies damit, dass die entsprechende Zahl nach dem Heimatort erhoben wurde und viele Personen aus anderen Bundesländern die Matura in Wien ablegen. Dafür hat Wien die höchste Studentenquote an Unis (37 Prozent der 18-25-Jährigen, Vorarlberg: 15 Prozent).
Aussagen über die internationale Einordnung der Bildungsentwicklung treffen die Statistiker nur mit aller Vorsicht. Generell könne man sagen, dass Österreich im Durchschnitt liege, so Findl. Dies sei sicher "schmerzlich für jene, die geglaubt haben, dass wir Top sind".
(apa/red)


