Montag, 14. April 2008

Weg zum High-Tech-Land ist "steinig": Mehr
qualifizierte Arbeitskräfte werden benötigt

  • Studie des Forschungsrats über Humanressourcen
  • Österreich: Wissenschaftliche Karriereoptionen fehlen

Humanressourcen beziehungsweise höher qualifizierte Arbeitskräfte gelten als entscheidende Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Doch die im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) erstellte Studie "Humanressourcen in Österreich" ortet viele Hürden auf dem Weg zu mehr Akademikern in Österreich. So werde die Entwicklung nachhaltig vor allem durch ein segmentiertes und selektives Ausbildungssystem, das "Fehlen wissenschaftlicher Karriereoptionen" und einer "fehlenden Positionierung Österreichs als Hightech-Land" beeinflusst.

Ziel der Studie war die Untersuchung der Humanressourcenausstattung in Österreich. Analysiert wurde die Situation in den Bereichen Ausbildungssystem, Gender und Migration. Grundlage für die vergleichende Studie bildeten Daten aus den Jahren 2004 bis 2007.

Eine "stärkere Nachfrage nach Innovationen und wissensbasierten Leistungen" lässt die Nachfrage nach höherqualifiziertem Personal wachsen. "Der technisch-naturwissenschaftliche Bereich wird mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von 2,3 Prozent besonders in den Vordergrund gerückt", schreibt Autorin Marita Haas vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien.

"Kern des Problems"
Als "Kern des Problems" identifiziert Haas die geringe Maturanten- und Akademikerquote in Österreich. Derzeit maturieren rund 40 Prozent eines Altersjahrgangs, eine Quote, die laut Prognosen bis 2025 auf 47 Prozent steigen soll. Damit würde bei gleichbleibenden Präferenzen der Schüler und gleichen akademischen und ausbildungstechnischen Strukturen die Akademikerquote von derzeit 19,6 auf 22,1 Prozent marginal steigen. Das ist nur halb so viel wie in anderen Ländern.

Uni-Karierren unattraktiv
Als Hautprobleme im Ausbildungssystemen - neben der durch niedrige Maturanten- und hohe Drop-out-Quoten verursachten geringen Akademikerquote - nennt die Studie die "Unattraktivität der Universitätskarrieren", die "Selektivität des Bildungssystems" und "mangelnde Durchlässigkeit der Schulsysteme". Sowohl im sekundären wie auch im tertiären Bereich gebe es eine eindeutige "soziale Selektion, die Schüler und Studenten aus bildungsfernen Schichten und/oder mit Migrationshintergrund diskriminiert". Aufgrund der derzeitigen Einschränkungen der Entwicklungsmöglichkeiten an den Unis drohe die Abwanderung der Forscher in nicht-wissenschaftliche Bereiche oder ins Ausland.

Strukturprobleme
"Strukturelle Probleme innerhalb des wissenschaftlichen Betriebs" wie auch die Rahmenbedingungen für Beruf und Karriere - Stichwort: traditionelle Rollenbilder - halten nach wie vor viele Frauen von der wissenschaftliche Laufbahn ab. Eine Karriere an einer Uni erfordert "kontinuierliche, durchgängige Forschungsarbeit". Vor allem die Publikationstätigkeit sei für ein Vorankommen ausschlaggebend. "Während es für Männer sehr wohl möglich ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist dies für Frauen nur unter den schwierigsten Voraussetzungen durchführbar", so Haas.

Bei der Migration zeige sich, "dass der Wunsch nach Hochqualifizierten derzeit weder durch den Bereich der vorangegangenen, noch durch den Bereich der zukünftigen Migrationsbewegungen erfüllt werden kann", so die Autorin. Probleme stellten sich hier u.a. durch das niedrige Bildungsniveau von Migranten, sprachliche Barrieren, "keine Brain-Gain-Strategie" sowie ein "mangelndes Bewusstsein für das Potenzial ausländischer Arbeitskräfte". Bisher fehlt eine "durchgängige Strategie", um Höherqualifizierte nach Österreich zu holen. "Nach wie vor hindern administrative und gesetzliche Hürden ausländische Akademiker ebenso am Übersiedeln nach Österreich wie die wahrgenommene Fremdenfeindlichkeit", so die Autorin.

Mangelhaftes Problembewusstsein
In Österreich ortet die Studie ein "mangelhaftes gesellschaftspolitisches Bewusstsein für die Problematik der zunehmend wissensbasierten Volkswirtschaft", schreibt Haas. Ein Akademikermangel werde kaum wahrgenommen. Auch wenn erste Initiativen (Forschung macht Schule, Kinder-Unis, etc.) existieren, um Bewusstsein zu schaffen: "Dennoch gibt es derzeit kein durchgängiges System, um technisch-naturwissenschaftliche Berufe oder den Beruf der Wissenschaft zu propagieren."

Strategien
Es braucht laut der Studie eine Ausgestaltung des Bildungssystems, die eine stärkere Durchlässigkeit erlaubt, möglichst fair und an individuelle Bedürfnisse angepasst ist. Zudem müssten die Karriereoptionen an den Universitäten und Forschungseinrichtungen verbessert werden. Notwendig sei eine "langfristige, umfassende Strategie", die auch bewusstseinsbildende Maßnahmen enthält.

(apa/red)

14.4.2008 11:36