Sonntag, 20. April 2008

Rückkehr in die A-WM als Startschuss:
Eishockey-Team bastelt an "Vision 2014"

  • Offensive, Teamgeist und Disziplin Erfolgsfaktoren
  • Bergström-Vertragsverlängerung noch nicht besiegelt

Lars Bergström hat seine Mission erfüllt und die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft wieder unter die besten 16 Teams der Welt geführt. Mit einer hochkarätig besetzten Offensive, Teamgeist und Disziplin hat die ÖEHV-Auswahl bei der WM der Division I mit fünf Siegen in fünf Spielen das Ticket für die A-WM 2009 in der Schweiz gelöst. Es soll die Basis für die "Vision 2014" sein, die wohl mit Bergström als Teamchef angegangen wird, auch wenn die Vertragsverlängerung noch nicht besiegelt ist.

"Die Spieler haben sich zu 110 Prozent gut präsentiert, das gibt mir Hoffnung für die Zukunft. Sie haben wunderbare Werbung gemacht, weil wir nicht nur gewonnen haben, sondern uns auch von einer optimalen Seite präsentiert haben. Freude, Energie, Zusammenhalt, Konzentration, als Trainer kann man stolz sein", freute sich Bergström. Der Schwede hat eine "Vision 2014" entworfen, mit der er mittelfristig das Aufzugsdasein zwischen A- und B-Gruppe beenden will.

Ob er überhaupt das Projekt als Teamchef startet, ist noch nicht fixiert, liegt aber auf der Hand. "Die Arbeit und die Gedanken sind langfristig, aber ich habe gesagt, wir arbeiten von Jahr zu Jahr. Aber ich bin halber Österreicher, es ist eine Ehre für mich", erklärte Bergström, der sich vorerst anderen Dingen widmet. "Am Sonntag und Montag haben meine Söhne Geburtstag, das ist meine nächste Aufgabe. Und dann erst kommt die nächste", sagte der 51-Jährige.

Top-Ten als Ziel
Seine Vision ist, "mit Stabilität, nicht mit einem Bein, in der A-Gruppe zu stehen. Das ist langfristig, das ist der Nachwuchs". Bergström möchte Österreich, derzeit nur 17. der Weltrangliste, Richtung Top-Ten führen, "dann könnte man um das Viertelfinale mitspielen." Doch der international bestens vernetzte Schwede weiß, dass sich "in anderen Ländern viel bewegt". In Österreich dagegen hat es der Nachwuchs sehr schwer, die Erste Bank Liga ist längst zu einer Legionärsliga geworden. Der Trainer-Legionär gibt sich diplomatisch, hofft aber, dass alle verstehen, dass das "Nationalteam nicht nur irgendeine Mannschaft ist, sondern das Team von Österreich."

In der Schweiz steht im nächsten Jahr vorerst wieder der Kampf um den Klassenerhalt im Vordergrund. Der findet ohne Rekordteamspieler Martin Ulrich und den ehemaligen NHL-Stürmer Christoph Brandner statt, die ihre Teamkarrieren beendet haben. Auch NHL-Star Thomas Vanek wird nicht jedes Jahr zur Verfügung stehen. Ob die ebenfalls in Nordamerika engagierten Verteidiger Thomas Pöck und die Stürmertalente Andreas Nödl und Michael Grabner kommen können, hängt davon ab, ob ihre Clubs das Play-off erreichen.

Im Sturm scheint Österreich gut besetzt, Bergström bereitet ein bisschen die Center-Position und der anstehende Generationswechsel in der Verteidigung Sorge. Eventuell Pöck, sicher der derzeit verletzte Andre Lakos könnten der Defensive die in der Elite nötige Stabilität geben, die WM-Neulinge Martin Oraze und Gerd Gruber sollten sich weiter entwickeln. Auf der Torhüter-Position hat Bernd Brückler die besten Karten, auch wenn der Steirer im Nationalteam bei einer WM noch nie an die tollen Leistungen beim finnischen Vizemeister Espoo anknüpfen konnte.

Gleich wird jedenfalls Bergströms Philosophie sein: Nur mit Teamgeist und Motivation ist das Ziel zu erreichen. Der Schwede hatte zwar mit Thomas Vanek Österreichs einzigen NHL-Spieler zur Verfügung, betonte aber stets, dass Eishockey ein Mannschaftssport ist. Trotz fast 40 Trainings sei die Stimmung immer bestens gewesen. "Die einzige Krise war, als ich gesagt habe, wir machen jedesmal Liegestütze, wenn wir einen Zweikampf verlieren", so Bergström.

Denn den Fans gefielen in Innsbruck die Schützenfeste, der Teamchef legte auf andere Bereiche mehr Wert. Spielerische Elemente und Kampf sind die zwei Grundvoraussetzungen in seiner Eishockey-Philosophie, "du musst beides haben." Und so erinnerte er sich während des Turniers einmal schmunzelnd an Bedenken ihm gegenüber. "Wie ich gekommen bin, hatte die Verbandsführung Bedenken, weil schwedisches Hockey defensiv ist. Jetzt haben wir so viele Tore erzielt, wir müssen ein bisschen zurück zum schwedischen System", sagte er. In Innsbruck hat die geballte Offensiv-Kraft so manche defensive Schwäche überdeckt, in der A-Gruppe wird das aber zu wenig sein.

(apa/red)

20.4.2008 12:09