Sonntag, 20. April 2008

Schwere Artillerie in Wohngebieten: 81 Tote
bei Gefechten in der Hauptstadt Somalias

  • Islamistische Rebellen gegen äthiopische Soldaten
  • Mindestens 119 weitere Personen wurden verletzt

Der zum Tode verurteilte Cousin des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, Ali Hassan al-Majid, genannt Chemie-Ali, ist nach einem Hungerstreik in eine Krankenhaus eingeliefert worden. Majid sei wegen einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands infolge eines Hungerstreiks ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der Anwalt des früheren irakischen Vizeregierungschefs Tarek Aziz, Badie Aref Essat, am Sonntag in Bagdad. "Es geht ihm schlecht." Madjid habe mit dem Hungerstreik "gegen seine schlechten Haftbedingungen protestiert".

Bei Gefechten islamistischer Aufständischer mit äthiopischen Soldaten sind am Wochenende in der somalischen Hauptstadt Mogadischu nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation mindestens 81 Menschen getötet worden. 119 weitere wurden verletzt, wie der Vorsitzende der Organisation Elman Human Rights, Sudan Ali Ahmed, berichtete. Unter den Opfern sind laut Augenzeugen auch zahlreiche Zivilpersonen.

Schwere Artillerie
Die hohe Opferzahl sind laut Elman darauf zurückzuführen, dass die äthiopischen Truppen mit schwerer Artillerie auf Wohngebiete geschossen habe. "Wir verurteilen die jüngsten Kämpfe", sagte Ahmed. Elman ermittelt Opferzahlen anhand von Nachfragen in Kliniken und Leichenschauhäusern. In anderen Berichten hieß es, bei den Kämpfen in der somalischen Hauptstadt seien am Wochenende 25 Menschen getötet worden.

Somalischer Regierungschef dementiert
Trotz der vielen Opfer in der Zivilbevölkerung verteidigte der somalische Regierungschef Nur Hassan Hussein das Vorgehen der Regierungstruppen sowie der äthiopischen Soldaten, die sie unterstützen. Die Regierung strebe nach Frieden, aber "es ist notwendig, jedem mit Krieg entgegenzutreten, der die Gewalt bevorzugt", sagte Hussein auf einer Pressekonferenz.

Somalia befindet sich seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 im Bürgerkrieg und hat keine funktionierende Staatsmacht mehr. Ein US-Militäreinsatz und zahlreiche Vermittlungsversuche zur Befriedung des Landes blieben erfolglos. Islamistische Milizen, die im Laufe des Jahres 2006 die Macht in weiten Teilen des Landes übernahmen, wurden Anfang vergangenen Jahres von Einheiten aus Äthiopien wieder vertrieben.

(apa/red)

20.4.2008 19:27