Samstag, 19. April 2008

Papst Benedikt in Synagoge: Heiliger Vater
besteht auf traditionelle Auslegung der Bibel

  • Protestanten: Homosexualität laut Bibel erlaubt?
  • Jüdisch-christliches Treffen soll Differenzen lösen

Bei seinen Treffen mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen und Religionen hat sich Papst Benedikt XVI. in New York freundlich, in der Sache aber sehr bestimmt gezeigt. Insbesondere die diversen Kirchen in Amerika warnte er vor "sogenannten prophetischen Aktionen", die der traditionellen Bibelauslegung widersprächen.

Er bezog sich damit auf Schriftauslegungen vor allem in protestantischen Kirchen, die sich mit Wahrheit und Erlösung sowie der Frage beschäftigen, ob die Bibel gleichgeschlechtlichen Sex verbietet. Die konkrete Diskussion nannte Benedikt nicht direkt beim Namen.

In der anglikanischen Kirche gibt es aber nach der Ernennung eines homosexuellen Bischofs der Episcopal Church in den USA vor fünf Jahren einen erbitterten Grundsatzstreit und auch viele protestantische Kirchen sind in dieser Frage gespalten. "Nur wenn wir an einer korrekten Lehre festhalten, wird es uns gelingen, die Herausforderungen der sich schnell entwickelnden Welt zu bestehen", mahnte der Papst bei einem ökumenischen Gottesdienst mit protestantischen und orthodoxen Geistlichen in der Kirche St. Joseph's. "Nur auf diese Weise werden wir ein eindeutiges Zeugnis zur Wahrheit des Evangeliums und seiner moralischen Lehre abgeben. Das ist die Methode, die die Welt von uns hören will."

Benedikt betont "gemeinsames Zeugnis"
Es könne nicht einzelnen christlichen Glaubensrichtungen gestattet werden, das Evangelium mit eigenen Interpretationen in einer Zeit zu unterlaufen, "in der die Welt ihre Orientierung verliert", betonte Benedikt. Die Welt brauche das "überzeugende gemeinsame Zeugnis" zur Erlösung in Christus.

Bei seinem Besuch in einer New Yorker Synagoge würdigte Benedikt das Engagement der jüdischen Gemeinde zum Leben der Stadt. "Und ich ermutige Sie alle, weiter Brücken der Freundschaft mit all den vielen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen in ihrer Nachbarschaft zu bauen", fügte er hinzu. Der Rabbiner der Park East Synagogue nahe der vatikanischen Residenz, Arthur Schneier, erinnerte daran, dass der Papst und er beide Zeitzeugen des Holocausts und der Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges seien.

"Diese bedeutende Begebenheit findet auf amerikanischem Boden statt, wo Männer und Frauen den Klauen der Unterdrückung und religiöser Verfolgung entkommen und eine Nation auf Demokratie und Freiheit errichtet haben", sagte Schneier zum Besuch des Papstes in der Synagoge. "Dies ist eine Nation, die es allen religiösen Gemeinschaften erlaubte, zu gedeihen."

"Fortschritte" in jüdisch-christlichen Beziehungen
Bei der kurzen Zeremonie in der Park East Synagoge in Manhattan gratulierte Benedikt auch zum bevorstehenden Pessach-Fest. "Mit Freude bin ich gekommen, um der jüdischen Gemeinde meinen Respekt und meine Hochachtung zu erweisen", sagte Benedikt. In einer kurzen Ansprache lobte der aus Wien stammende Rabbiner Arthur Schneier, ein Holocaust-Überlebender, vor allem die Verbesserung der jüdisch-christlichen Beziehungen.

Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der 60er Jahre seien "viele Fortschritte erzielt worden", meinte er. Der interreligiöse Dialog zwischen Juden und Christen sei äußerst wichtig und müsse weitergeführt werden. "Wir haben beide den Holocaust miterlebt, aber wir haben auch den Geschmack der Freiheit gekostet", meinte Schneier.

Weder Schneier noch der Papst gingen auf die aktuellen Spannungen zwischen Juden und dem Vatikan ein. Der Synagogen-Besuch war erst nachträglich in das Programm der sechstägigen USA-Reise Benedikts aufgenommen worden. Vatikankreise sprachen von einer Geste des guten Willens. (APA/red)

19.4.2008 09:16