Freitag, 18. April 2008

Teenager hatte Sprengsatz bei sich: Polizei
nahm in Bristol Terrorverdächtigen in Haft

  • Mitgeführter Sprengsatz zur Explosion gebracht
  • 19-jähriger Muslim von der Polizei festgenommen

Terroralarm in Bristol: In der südwestenglischen Stadt hat die Polizei einen 19-jährigen Verdächtigen festgenommen, der möglicherweise einen Anschlag geplant hatte. Ein Sprengsatz wurde nach der Durchsuchung seines Hauses kontrolliert zur Explosion gebracht, wie die Polizei der Region Avon und Somerset mitteilte. 30 Menschen mussten demnach aus umliegenden Häusern in dem Vorort Westbury on Trym in Sicherheit gebracht werden. Augenzeugen berichteten von einem "Riesenknall". An den Ermittlungen ist auch das Anti-Terror-Kommando der Londoner Polizei Scotland Yard beteiligt.

Der Verdächtige, der nach ersten Angaben erst seit wenigen Wochen in der Gegend wohnte und Muslim sein soll, war der Polizei ins Netz gegangen und wurde verhört. Die Information sei vom Geheimdienst gekommen, sagte Vize-Polizeichefin Jackie Roberts. Es handle sich um "komplexe und heikle Ermittlungen". Der Mann sei festgenommen worden, um "Schaden zu vermeiden". Roberts erklärte, die Anrainer könnten vorerst nicht in die Wohnungen zurück. Das Material des Sprengsatzes, der um zwei Uhr nachts gezündet wurde, würde untersucht.

Betgesänge und laute Musik
"Ich dachte, ein Bungalow sei in die Luft geflogen", erzählte eine Anwohnerin. Zahlreiche Polizisten seien mit Kleintransportern in der Straße gewesen. Eine andere Nachbarin sagte: "Ich habe einen fürchterlichen Knall mitten in der Nacht gehört." Sharon Goodman, die wenige Meter von dem Ort des Geschehens entfernt wohnt, sagte, in der sonst ruhigen Gegend lebten viele ältere Menschen. "Es wohnen hier auch einige Muslime, aber es ist eine überwiegend weiße Gegend. Ich habe noch nie von Terroraktivitäten gehört." Farooq Siddique von der Muslimischen Vereinigung Bristol (BMCS), betonte, er hoffe auf einen "Fehlalarm". Nach Angaben von Nachbarn hatte der Verdächtige wenige Tage vor der Durchsuchung Betgesänge angestimmt und laut Musik gehört.

Erhöhte Alarmbereitschaft in Großbritannien
In Großbritannien gilt seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erhöhte Alarmbereitschaft. Am 7. Juli 2005 kamen bei Selbstmordattentaten auf die Londoner U-Bahn mehr als 50 Menschen um, Hunderte wurden verletzt. Vergangenes Jahr im Juni vereitelte die Polizei Anschläge in der Londoner Innenstadt. Zudem scheiterte ein Anschlag im schottischen Glasgow, als Attentäter versuchten, mit einem brennenden Auto in das Flughafengebäude zu fahren.

Terrorprozess im Gange
Derzeit stehen in London auch acht Terrorverdächtige vor Gericht, die im Sommer 2006 Anschläge auf Flugzeuge auf dem Weg von London-Heathrow in die USA und nach Kanada geplant haben sollen. Der Prozess findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bristol liegt rund 170 Kilometer westlich von London und ist eine Hafenstadt mit rund 400.000 Einwohnern.
(APA/red)

18.4.2008 16:35