Libyen auf Kuschelkurs mit Russland:
Weichenstellung für Energie- & Waffendeals
- Gas- und Ölgeschäfte bei Putin-Besuch im Mittelpunkt
- Gaddafi: Zerfall der Sowjetunion sei "bedauerlich"
Der scheidende russische Präsident Wladimir Putin hat bei seinem Besuch in Libyen die Weichen für eine enge Zusammenarbeit beider Staaten im Energiesektor gestellt. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, der russische Konzern Gazprom und die nationale libysche Ölgesellschaft hätten sich am Rande der Gespräche zwischen Putin und libyschen Regierungsvertretern auf die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens geeinigt. Dieses solle neue Öl- und Gasfelder erschließen sowie bei Förderung und Vermarktung zusammenarbeiten.
Der Agentur Interfax sagte Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller, man denke auch über einen Beteiligungsaustausch mit dem italienischen Energiekonzern Eni nach, dem größten Importeur libyschen Öls.
Putin habe sich sehr zufrieden darüber gezeigt, dass russische Firmen bereits in der libyschen Öl-Industrie sowie in der Gasförderung aktiv seien, sagte der Außenminister des nordafrikanischen Landes, Abdul Rahman Shalkam. Mit Ministerpräsident Al-Bagdadi Al-Mahmudi habe er außerdem über weitere Kooperationsmöglichkeiten gesprochen. Dabei habe Al-Mahmudi erklärt, Libyen sei auch an einer friedlichen Nutzung der Atomenergie interessiert und hoffe dabei auf russische Unterstützung.
Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi erklärte in einer ausschweifenden Rede während eines Abendessens mit Putin, an einer Destabilisierung Russlands dürfe niemand interessiert sein, "weil Russland eine Atommacht ist". Der Zerfall der Sowjetunion sei ebenso bedauerlich wie die Auflösung des Staates Jugoslawien. In einer Welt, die von einer einzigen Supermacht (USA) dominiert werde, habe "das Gesetz der Macht die Macht des Gesetzes abgelöst".
Keine Angaben machten beide Seiten zunächst zu möglichen Rüstungsgeschäften. Russische Medien hatten vor Putins Eintreffen in Tripolis berichtet, Moskau sei bereit, libysche Altschulden aus Rüstungsgeschäften mit der Sowjetunion in Höhe von 2,9 Milliarden Euro abzuschreiben, falls Libyen nun für die gleiche Summe neue russische Waffen bestelle. Im Gespräch sind MiG- und Suchoi-Kampfjets sowie Flugabwehrraketen vom Typ S-300. (apa/red)
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